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Lucky Luke, der Mann, der schneller zieht als sein Schatten, wird 75 Jahre alt! Das 100. Album mit dem Titel „Western von Gestern“ wirft einen Blick zurück zu den Ursprüngen und enthält die beiden allerersten von Morris gezeichneten Abenteuer von Lucky Luke.

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Morris begann seine Karriere als Zeichentrickfilm-Zeichner

Diese Reise zu den Ursprüngen von Lucky Luke ist gleichzeitig eine Reise zu den Ursprüngen des Comics. Und es ist kein Wunder, dass Lucky Luke-Zeichner Morris, der kein Amerikaner war, sondern Belgier und als Maurice de Bevere auf die Welt kam – dass Morris seine Karriere als Zeichentrickfilm-Zeichner begonnen hat.

Die ersten beiden Lucky Luke-Stories erinnern im Stil stark an Walt Disney, tatsächlich an den klassischen Disney mit seiner Mickey Mouse. Alles ist hier in Bewegung und alles ist irgendwie rund. Die Arme und Beine biegbar wie Gummi-Schläuche, die Hände mit stets nervösen vier Fingern.

Illustrationen aus dem 100 Lucky Luke-Comic „Die Ursprünge - Western von Gestern“ (Foto: Pressestelle, Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021)
Lucky Luke, der Mann, der „schneller zieht als sein Schatten“, wird 75 Jahre alt!: „Die Postkutsche“, „Dalton City“, „Die Erbschaft von Rantanplan“ oder „Der singende Draht“ – so heißen berühmte Abenteuer von einem der prominentesten Helden der Comic-Geschichte. - gezeichnet von dem Belgier Maurice de Bevere (Morris) und getextet von dem Asterix-Autor René Goscinny. Pressestelle Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Das 100. Album mit dem Titel „Western von Gestern“ wirft einen Blick zurück zu den Ursprüngen und enthält die beiden allerersten von Morris gezeichneten Abenteuer des Cowboys. Pressestelle Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Er schießt schneller als sein Schatten, aber er ist kein breitschuldriger John Wayne. Und er hat es mit den Absurditäten der Geschichte des Wilden Westen zu tun, mit Figuren, die vermutlich nur in der Realität noch absurder waren. Pressestelle Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Diese Reise zu den Ursprüngen von Lucky Luke ist gleichzeitig eine Reise zu den Ursprüngen des Comics. Die ersten beiden Lucky Luke-Stories erinnern im Stil stark an Walt Disney, tatsächlich an den klassischen Disney mit seiner Mickey Mouse. Alles ist hier in Bewegung und alles ist irgendwie rund. Die Arme und Beine biegbar wie Gummi-Schläuche, die Hände mit stets nervösen vier Fingern. Pressestelle Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Der einsame Held des US-Mythos, der moderne Individualist – er kommt nicht weit, wenn er nicht zumindest einen Freund hat, der über seine Abenteuer lacht, so wie Jolly Jumper über Lucky Luke. Witz und Wahrheit stecken in diesen Comics. Pressestelle Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Seit 1946 erschienen unzählige Lucky Luke Alben, die sich weltweit weit über 100 Millionen mal verkauft haben, davon über 30 Millionen in Deutschland. Pressestelle Egmont Ehapa Media / Lucky Comics 2021 Bild in Detailansicht öffnen

Noch herrscht wilde Trickfilm-Slapstick: Fäuste fliegen, Zähne werden ausgespuckt

Ein Ritt durch die Nacht, ein hell erleuchteter Saloon. Aber hier gibt es noch nicht die präzise beobachtete Atmosphäre von Western-Cities, die „Nothing Gulch“ oder „Daisy Town“ heißen. Stattdessen wilde Trickfilm-Slapstick: Fäuste fliegen, Zähne werden ausgespuckt, Fässer rollen wie Hamsterräder, wilde Verfolgungsjagden zu Pferd oder per Eisenbahn und natürlich ist immer zur rechten Zeit ein Tunnel oder ein Ast zur Stelle, um den Helden oder den Bösewicht K.O. zu schlagen.

Die Meisterwerke von Morris und Goscinny kommen erst ab 1955

Auf den ersten Blick haben diese frühen Lucky Lukes noch kaum etwas von den Meisterwerken, die Morris und Goscinny zwischen 1955 und 1977 geschaffen haben, mit einem Helden, der die Idee des Comic-Helden gegen den Strich bürstet.

Lucky Luke schießt zwar schneller als sein Schatten und hilft auch stets den Entrechteten und Bedrängten. Aber er ist nicht der breitschultrige Westerner wie John Wayne – eher der schlaksige Einzelgänger, den James Stewart in den Anthony Mann-Western verkörpert. Einer, der nicht rastlos wandern und kämpfen muss, sondern einfach mal den Hut in die Stirn schiebt oder mit seinem hochbegabten Pferd Jolly Jumper Schach spielt.

René Goscinny dachte sich die witzigen Szenen der Lucky-Luke-Klassiker aus

Der Witz der Lucky Luke-Klassiker kommt aus den Situationen, die René Goscinny erdacht und Morris mit lebendigen Strichen und expressiven Farben in Szene gesetzt hat.

Zum Beispiel in diesem Moment, wenn Lucky Luke einen Apachen, der fälschlicherweise als Pferdedieb gejagt wird auf seinem Pferd Jolly Jumper mitnimmt: Beide begegnen einem Farmer, dessen Blockhaus gerade von anderen Apachen abgebrannt wurde. „Drehen Sie sich nicht um! Hinter Ihnen sitzt ein Indianer und er scheint ein gutes Pferd zu haben“, flüstert der verängstigte Farmer Lucky Luke zu. Und der meint so höflich wie ungerührt: „Machen Sie sich keine Sorgen, es wird schon gutgehen.“

Lucky Lukes Abenteuer halten die Spannung zwischen Komik und der Realität des echten Wilden Westens

Doch Lucky Lukes Abenteuer erschöpfen sich nicht in wortwitzigen Szenenfolgen. Sie sind im besten Sinne Abenteuergeschichten und halten die Spannung zwischen Komik und einem Ernst, der aus der Realität des echten Wilden Westens kommt. Morris hat mehrere Jahre in den USA verbracht, die Geschichte des Landes studiert und die harte Komik seines Zeichenstrichs ermöglicht immer wieder einen Durchbruch der Western-Realitäten.

Denn Lucky Luke muss sich herumschlagen mit den vielen Narzissten, die die Besiedlung der USA geprägt haben: egomanische Vieh-Barone, geldgierige Spieler und der „Kaiser von Amerika“, der sich eine nicht ganz so komische Privatarmee hält.

Witz und Wahrheit stecken in diesen Comics

Beim zweiten Lesen der Lucky Luke-Geschichten aus Band 100 fällt auf, was den frühen Lucky Luke mit dem Helden der späteren Klassiker verbindet. Dieser Held kann zwar schneller schießen als sein Schatten, aber er ist dennoch verletzlich. Im letzten Band von Morris und Goscinny „Der singende Draht“ retten ihn hilfsbereite Mormonen vor dem Verdursten in der Salzwüste. Hier - in Band 100 - ist es ein indigener Ureinwohner, der Lucky Luke ungerührt vor dem Ertrinken bewahrt.

Der einsame Held des US-Mythos, der moderne Individualist – er kommt nicht weit, wenn er nicht zumindest einen Freund hat, der über seine Abenteuer lacht, so wie Jolly Jumper über Lucky Luke.

Witz und Wahrheit stecken in diesen Comics.

Literatur „Cutter“ - Noir-Comic von Andreas Martens über einen Messer-Mörder

Im Comic „Cutter“ von Andreas Martens geht es um einen geheimnisvollen Messer-Mörder, der nicht sterben kann und über die Grenzen von Gut und Böse, die in dieser Comic-Welt ständig verschwimmen.  mehr...

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Literatur „Der Archivar“ erkundet Parallelwelten: Ein Comic aus der Reihe „Die geheimnisvollen Städte“

Der Archivar Isidor Louis – Forschungsbeauftragter im Zentralinstitut der Archive, Abteilung Mythen und Sagen – soll dem immer populärer werdenden Glauben an eine geheimnisvolle Parallelwelt mit seinen Forschungen den Boden entziehen. Aber Isidor Louis beginnt selbst an die andere Welt der „Geheimnisvollen Städte“ zu glauben.
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Graphic Novel | Corona-Bibliothek „Rhapsodie in Blau“ von Andrea Serio

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Darmstadt

Literatur | Corona-Bibliothek „Bei mir zuhause“ – 600 Seiten Leben im Comic-Format

Paulina Stulin öffnet einige Fenster in ihr Leben: Da ist zunächst ganz banal das Fenster ihrer Dachgeschoss-Wohnung. Durch dieses Fenster blickt die Comic-Paulina in die Welt, und wir blicken in Paulinas Leben. Knapp zwei Kilo schwer und über 600 Seiten dick ist Paulina Stulins autobiographischer Comic-Roman. Radikal subjektiv ist die Erzählung, bunt und impressionistisch modern sind die Bilder. Er dreht sich allein um Paulina und ihr Leben in Darmstadt. Das tut er aber so ehrlich und ungeschönt, dass sich viele Leser*innen in dem Comic zuhause fühlen können.  mehr...

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Comic | Corona-Bibliothek Besser als das Musikvideo: Comics zu den Songs von Tocotronic

Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum der Band Tocotronic hat das Who is Who der deutschen Zeichner*innen ihre liebsten Songs der Band als Comics gezeichnet. Die Idee dazu hatte Michael Büsselberg, zusammen mit dem Mainzer Ventil Verlag hat er die zehn Comics in dem Band „Sie wollen uns erzählen“ herausgebracht. Manche der Comics sind wie richtig gute Musikvideos, andere drücken das Gefühl der Songs in Farbe aus. Und dann gibt es noch die, die sich vom Text lösen und eine ganz eigene Interpretation geben. Für den ultimativen Tocotronic-Kick hört und liest man Song und Comic gleichzeitig.


Buchkarte:
Zehn TOCOTRONIC Songcomics
Michael Büsselberg (Hg.)
Hardcover, farbig
128 Seiten
November 2020
25,00 €(D)  mehr...

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