Gespräch

Kunst gegen die Vergänglichkeit – Andreas Isenschmid zum 100. Todestag von Marcel Proust

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INTERVIEW
Wilm Hüffer

"Das entscheidende Thema des Romans "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ist, mit Hilfe der Kunst die Vergänglichkeit anzuhalten", sagt der Literaturkritiker Andreas Isenschmid.

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„Ihr findet das Glück nicht in der Gesellschaft, ihr findet es in der Einsamkeit“ – das war die Maxime des Schriftstellers Marcel Proust, so Isenschmid weiter.

Mit Proust gelangt man an Orte, an die einen garantiert kein anderer Autor je bringen kann

Proust lesen heißt, seinen langen Satzgefügen zu folgen. "Wenn man dem Proustschen Satz folgt, dann gelangt man an Orte, an die einen garantiert kein anderer Autor je bringen kann", sagt Andreas Isenschmid.

"Proust kann das Aufwachen mit einem wirren Traumrest beschreiben und wir denken: Ja, genau so ist es! Das habe ich noch nie so beschrieben gelesen. Proust kann Eifersucht beschreiben, Proust kann die Werke großer Kunst beschreiben, das Höchste, das Tiefste, das Alltäglichste, Vergänglichste und Ewigste. All das kann er mit seinem Satz frisch vor unsere Augen bringen."

Proust hat die sozialen Milieus und gesellschaftlichen Unterschiede minutiös beschrieben

Angesichts unserer Vorstellungen, gesellschaftliche Schichten durchlässiger zu machen, hätte Proust heute beschrieben, wie viele Leute sündhaft teure Hermès- oder Chanel-Taschen kaufen, um zu den Höheren zu hören. Und er hätte sich darüber gehörig lustig gemacht, meint Andreas Isenschmid.

Allerdings sei ihm eine Gesellschaft ohne soziale Barrieren ein absoluter Graus gewesen. Er habe diese sozialen Unterschiede minutiös beschrieben. Hannah Arendt habe das als eine Beschreibung des heraufziehenden Faschismus gelesen.

Literatur Die Kraft der Erinnerung – Zum 100. Todestag von Marcel Proust

Vor 100 Jahren, am 18. November 1922, starb Marcel Proust. Sein siebenbändiger Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gilt als Schlüsselwerk für die Romanliteratur des 20. Jahrhunderts.  mehr...

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