Literatur

Carl-Zuckmayer-Medaille 2023 geht an Schriftstellerin Nino Haratischwili

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Die Autorin Nino Haratischwili 2021 in Stockholm (Foto: IMAGO, Foto: Henrik Montgomery)
Schriftstellerin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili lebt mit Mann und Tochter in Hamburg. Foto: Henrik Montgomery

Die deutsch-georgische Schriftstellerin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili erhält für ihre Verdienste um die deutsche Sprache die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz.

„In ihren Romanen ist viel Schatten, doch trotz der Abgründe geht das Licht nie aus“, begründete Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die am 26. Oktober bekanntgegebene Entscheidung. „In diesem Optimismus ist sie dem großen Carl Zuckmayer sehr ähnlich.“ Harataschwili erzähle „Dramen und Tragödien von beinahe antikem Ausmaß“.

Von Tiflis in die Bundesrepublik

Haratischwili wurde 1983 im damals sowjetischen Tiflis geboren und gründete bereits als Schülerin eine deutsch-georgische Theatergruppe. Seit 2003 lebt sie dauerhaft in der Bundesrepublik, wo sie unter anderem als Dramaturgin und Regisseurin am Hamburger Thalia Theater bekannt wurde.

Als Buchautorin sorgte sie insbesondere mit ihrem dritten Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ für Aufsehen, der das Schicksal einer georgischen Familie während des 20. Jahrhunderts über sechs Generationen hinweg nachzeichnet. Der jüngste, 2022 erschienene Roman der Autorin „Das mangelnde Licht“ erzählt von vier Freundinnen, die sich nach Jahrzehnten wiedertreffen und auf ihre Jugendzeit in Georgien zurückblicken.

Preis mit Medaille und 30 Liter Lieblingswein

Die Carl-Zuckmayer-Medaille wird seit 1979 jährlich vom Land Rheinland-Pfalz verliehen und erinnert an den im rheinhessischen Nackenheim geborenen Schriftsteller Carl Zuckmayer (1896-1977). Die Preisverleihung findet traditionell an Zuckmayers Todestag statt. Zur Auszeichnung gehört neben der eigentlichen Medaille auch ein 30-Liter-Fass mit dem rheinhessischen Lieblingswein des Schriftstellers.

Bisherige Preisträger waren unter anderen die Regisseure Edgar Reitz und Doris Dörrie, die Schauspieler Mario Adorf und Armin Mueller-Stahl, die Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt und Herta Müller sowie der Rockmusiker Udo Lindenberg. In diesem Jahr wurde der deutsch-syrische Literat Rafik Schami ausgezeichnet.

Buchkritik Nino Haratischwili: Die Katze und der General

Eine Vergewaltigung in einem tschetschenischen Dorf: Eigentlich haben die Russen Urlaub von der Front, doch die schöne Nura ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Einer von ihnen aber zeigt das Verbrechen später an. So entfaltet sich ein Drama von Schuld und Sühne, das an eine antike Tragödie erinnert.
Frankfurter Verlagsanstalt, 30 Euro
Rezension von Ruthard Stäblein.

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Buchkritik Nino Haratischwili – Das mangelnde Licht

In „Das mangelnde Licht“ wendet sich die Autorin Nino Haratischwili einmal mehr der jüngeren Geschichte Georgiens zu. Sie erzählt darin über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren die Geschichte von vier Freundinnen, die sich in der Schule kennen lernen und aufwachsen in einem Land, das sich unter der Perestroika von einem kommunistisch regierten in ein unabhängiges verwandelt und in dem das Leben seiner Bewohner von Umbruch, Krieg und Gewalt bestimmt wird. | Rezension von Beate Tröger | Frankfurter Verlagsanstalt, 832 Seiten, 34 Euro | ISBN: 9783627002930

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