Kultursponsoring

Wegen NS-Vergangenheit des Sponsors: Mehrere Autor*innen weisen Nominierung von Hamburger Literaturfestival-Preis zurück

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Christian Baron, nach der Klaus-Michael Kühne-Preis-Vergabe für seinen Roman "Ein Mann seiner Klasse" (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Markus Scholz)
Hatte kein Problem mit dem Kühne-Geld: Schriftsteller Christian Baron 2020 bei der Preisverleihung des Klaus-Michael Kühne-Preises für seinen Roman 'Ein Mann seiner Klasse'. Foto: Markus Scholz

Zwei Nachwuchs-Autor*innen im Rennen um einen mit 10.000 Euro dotierten Preis des Hamburger Harbour-Front Literaturfestivals haben ihre Nominierung nicht angenommen. Als Grund nannten sie die Rolle des Fesival-Sponsors und Logistik-Unternehmens Kühne + Nagel in der Zeit des Nationalsozialismus, die nicht ausreichend aufgearbeitet sein soll. Nach dem Autor Sven Pfizenmaier hat auch die Autorin Franziska Gänsler auf ihre Nominierung für den Klaus-Michael-Kühne-Preis verzichtet, wie das Literaturfestival auf seiner Internetseite mitteilte.

Wollen nicht nominiert sein: Sven Pfizenmaier und Franziska Gänsle

Pfizenmaier hatte mit Verweis auf die unterlassene Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Unternehmens Kühne + Nagel seine Teilnahme am Debütantensalon zurückgezogen. Er war mit dem Roman „Draußen feiern die Leute" nominiert.

 "Das Verhältnis zwischen Geldgeber:innen und Kulturschaffenden in Deutschland ist ein dermaßen komplexes Feld, dass es unzählige Wege gibt, einen angemessenen Umgang damit zu finden. Dieser hier ist meiner."

Der Rückzug Pfizenmaiers und die Reaktion darauf habe sie sehr beschäftigt, schreibt Gänsler in ihrem ebenfalls auf der Internetseite des Festivals veröffentlichten Statement dazu. „Ich denke, es hätte einen öffentlichen Diskurs gebraucht, der ein Ernstnehmen seiner Kritik erkennbar macht."

Literaturpreis mit Sponsoren-Namen

Das Festival wird von der Stadt, anderen Stiftungen und auch von der Kühne-Stiftung gefördert, die von Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne und seiner Familie gegründet wurde. Im Rahmen des Literaturfestivals wird der Klaus-Michael-Kühne-Preis an Debütautor*innen vergeben. Das Harbour Front Literaturfestival bedauerte die Absagen und sieht „Diskussionsbedarf."

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