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Aufgeräumt und optimistisch Das war die Buchmesse in Frankfurt

Ein Kommentar von Literaturredakteur Frank Hertweck

Die Frankfurter Buchmesse fand in diesem Jahr im Sommer statt. So fühlte es sich an. Das hatte Konsequenzen. Alles erschien nicht mehr ganz so düster, sondern aufgehellt. Die brisanten Themen der vergangenen Monate – Krise des Lesens, Krise des Buchmarktes, die Metoo-Debatte, der Erfolg des Rechtspopulismus - waren keineswegs verschwunden, wurden aber pragmatischer diskutiert, ja manchmal schon routiniert.

Die Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

So ging es einem auch mit der Preisträgerrede des „Friedenspreises des deutschen Buchhandels“. Jan und Aleida Assmann zeigten sich optimistisch und kämpferisch, Jan Assmann entwarf die kulturelle Tradition der Gelehrtenrepublik, in der beide stehen.

Aber historische Tiefenbohrung ist nur eines, die sogenannte Arbeit am Erinnern, das andere ihre Verortung in der gegenwärtigen Öffentlichkeit. Dafür war Aleida Assmann zuständig. Und darum bemüht zu zeigen, dass das kulturelle Gedächtnis einer Gemeinschaft zum einen weder starr ist noch ewig, sondern wandlungsfähig und vor allem nicht exklusiv, sondern dialogisch inklusiv.

Es gab mehr oder weniger deutliche Hinweise auf Trump, die AfD, manipulierte Informationen, aber eben auch – das war die optimistische Seite dieses Rededialogs – die Vorstellung dreier Integrations-Initiativen, denen die Assmanns ihr Preisgeld übergeben werden. Wer das Werk der beiden Preisträger kennt, war insgesamt wenig überrascht. Alles ist richtig, aber eben auch bekannt, erwartbar. Das meint Routine.

Rechte Verlage - links liegen gelassen

Das Thema Rechts, Rechtspopulismus, rechte Verlage spielte in diesem Jahr nicht die große Rolle wie im letzten. Es ist eine typisch rechte Denkfigur Raumfragen in politische Fragen zu verwandeln, siehe in früheren Zeiten: Hans Grimm, Volk ohne Raum, einen Romantitel, den die Nazis gerne adaptiert haben, oder der Möchtegern-Nazi-Jurist Carl Schmitt mit: „Der Nomos der Erde“. Und leider sprangen einige Journalisten über das Stöckchen , dass zwei, drei rechte Verlage auf der Messe mit ihren Ständen schlecht positioniert seien und so die Meinungsfreiheit in Gefahr. Fakt war, kein Stand war so von weitem einsichtig wie der der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Der vieldiskutierte Antaios-Verlag ist inzwischen verkauft worden und darum am Stand des Käufers, eines Ortenauer Zahnarztes untergebracht. Das Wort Wurzelbehandlung – radikal kommt lateinisch von radix, die Wurzel - erhält eine ganz neue Bedeutung.

Kein ablenkendes Skandälchen um den Rowohlt-Verlag

Einen besonderen Coup wollte der Rowohlt Verlag landen. Er war seit Wochen in den Schlagzeilen, weil die erfolgreiche Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz auf sehr unschöne Art und Weise entlassen wurde.

Jetzt also lud der Rowohlt Verlag ganz geheimnisvoll in den Frankfurter Hof ein und präsentierte das Geheimnisloseste: einen über 1000 Seiten Pornoroman von Rudolf Borchardt, geschrieben wohl in den 1930er Jahren. Borchardt ist einer der berühmtesten Unbekannten der deutschen Kultur, ein konservativer Bildungsriese, dem gleichzeitig immer etwas Hochstaplerisches anhaftet, einer, der alles weiß und behauptet, er wisse noch mehr.

Das Manuskript wurde 2011 gefunden und nach einem wilden Hin und Her jetzt öffentlich gemacht. Die Veranstaltung verlief leider nicht zotenfrei, Männer unter sich. Pornographie im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit, was dieser Text literarisch taugt, wird noch zu klären sein. Aus den negativen Schlagzeilen hat er Rowohlt auf jeden Fall nicht gebracht. Zum Skandal hat es auf jeden Fall nicht gereicht. Und so kann man Routine auch mal positiv sehen.

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