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Knut Hamsuns Werke werden gemeinfrei

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AUTOR/IN
Max Knieriemen

1952 ist der norwegische Schriftsteller und Nobelpreisträger Knut Hamsun gestorben. Deshalb dürfen seine Werke ab 2023 gemeinfrei verwendet werden. Viele Neuübersetzungen sind zu erwarten, die erste erscheint im Januar.

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Hermann Hesse, Thomas Mann und Astrid Lindgren verehrten den norwegischen Autor

Am 19. Februar 1952 starb der Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun im norwegischen Nørholm. 70 Jahre später werden nun seine Romane und Erzählungen gemeinfrei. Die erste neue Ausgabe seines Debütromans „Hunger“ erscheint im Januar bei Manesse in einer Neuübersetzung von Ulrich Sonnenberg.

„Dieses tolle Buch, das von einem hungernden jungen Mann erzählt, der durch Kristiania läuft und hofft, irgendwo etwas essbares aufzutreiben, kann man auch heute noch gut lesen“, findet SWR-2-Literaturexperte Alexander Wasner.

Der Schriftsteller, der 1920 für seinen Roman „Segen der Erde“ mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde, prägte eine ganze Literat*innengeneration: Hermann Hesse, Thomas Mann und Maxim Gorki verehrten ihn für seine Prosa. Astrid Lindgren sagte, ohne die „Hungerfantasien“ aus Hamsuns Roman hätte sie „Pippi Langstrumpf“ nicht geschrieben.

Kurt Hamsun, gezeichnet vom norwegischen Künstler Edvard Munch (1896). (Foto: IMAGO, United Archives International)
Kurt Hamsun, gezeichnet vom norwegischen Künstler Edvard Munch (1896). United Archives International

Self-Made-Man und Hitler-Sympathisant

Hamsun behauptete, er habe in seinem Leben niemals eine Erfahrung zweimal gemacht. 1859 als viertes Kind eines Kleinbauern in Garmo geboren, zog er in jungen Jahren aus, um sich als Hirte, Hafenarbeiter oder Gemeindeschreiber zu verdingen. Ende der 1870er Jahre beginnt er, Erzählungen und Novellen zu schreiben. Sein erster Roman „Hunger“ erscheint 1890.

Schon im Ersten Weltkrieg sympathisiert der Norweger mit der deutschen Kriegspartei. Problematisch ist Knut Hamsuns Sympathie für Adolf Hitler und den Nationalsozialismus, die er in Zeitungsartikeln zum Ausdruck brachte und relativierte. 1943 traf sich Hamsun bei einer Deutschlandreise mit Goebbels und Hitler. Nach dem Krieg wurde er in einem Gerichtsverfahren zur Zahlung einer Strafe von 325.000 Kronen wegen „Schädigung der norwegischen Staates“ verurteilt.

10.12.1972 Heinrich Bölls Nobelpreis-Rede in Stockholm

Am 10. Dezember 1972 nimmt Heinrich Böll in Stockholm den Literaturnobelpreis entgegen. Er ist nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Schriftsteller aus Deutschland, der diese Auszeichnung erhält. Zuletzt hatte Thomas Mann den Nobelpreis 1929 bekommen. Darüber spricht Böll auch in seiner Dankesrede vor dem schwedischen König und den anderen Festgästen.
Der Süddeutsche Rundfunk sendete in seinem Kulturmagazin "Konturen" die komplette Rede. Der vorangestellte Kommentar von Redakteur Horst Tim Lehner verrät dabei einiges über die öffentliche Wahrnehmung. Es wird deutlich, dass der Nobelpreis an Böll in der Bundesrepublik in den konservativen Medien zunächst auf vehementen Protest stieß – der aber bis zur offiziellen Verleihung im Dezember offenbar weitgehend verklungen ist.
Der letzte deutsche Literaturnobelpreisträger vor Heinrich Böll war Thomas Mann. Von der Verleihung an ihn 1929 steht im Archivradio ebenfalls eine berühmte Aufnahme bereit: die legendäre Flüsterreportage von Alfred Braun, die zu den ältesten erhaltenen Radioreportagen zählt.

Porträt zum 150. Geburtstag Bertrand Russell – Die Freiheit des Denkens

Der britische Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell (1872-1970) setzte sich gegen Atomwaffen, Kapitalismus und Kommunismus ein. Viele seiner Ideen sind bis heute aktuell.

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Diskussion Welche Zukunft hat der Literaturnobelpreis?

Es diskutieren: Dr. Paul Ingendaay - Schriftsteller und Europakorrespondent im Feuilleton der FAZ, Berlin, Michael Krüger - ehem. Leiter des Carl-Hanser-Verlags, München, Sigrid Löffler - Literaturkritikerin, Berlin

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