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„Kinder der Ungleichheit“ – Neues Buch von Christoph Butterwegge über Kinderarmut

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„Armut ist kein Problem am Rande der Gesellschaft“, sagt Christoph Butterwegge. Sie dringe immer mehr in die Mitte vor. Von dieser Armut seien auch immer mehr Kinder betroffen.

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Die Corona-Krise hat bestehende Ungleichheiten verstärkt

Gleichzeitig transformiere sich die wachsende materielle Ungleichheit auch in Ungleichheit bei Bildung, Gesundheit und Wohnen. Die Corona-Krise habe diese Ungleichheiten offenkundig noch verstärkt, weswegen jetzt dringend politisch gehandelt werden müsse.

Unser Bildungssystem wirke der Ungleichheit nicht entgegen, sondern strukturiere sie gewissermaßen. Dadurch, dass die Kinder aus sozial benachteiligten Familien schon früh auf die Haupt- oder Förderschulen geschickt und damit durch das Bildungssystem aussortiert würden, verstärke sich die Ungleichheit noch. Unsere Gesellschaft beruhige sich mit dem Aufstiegsversprechen über Bildung, so Butterwegge.

Bildung reicht nicht aus, um soziale Ungleichheit zu bekämpfen

In früheren Jahrzehnten sei dieser Aufstieg noch möglich gewesen. Heute seien selbst akademisch Gebildete im Niedriglohnsektor beschäftigt. „Bildung sei kein Königsweg mehr, um soziale Ungleichheit zu bekämpfen“, meint Christoph Butterwegge. Bildung sei bei den Politikern der etablierten Parteien hingegen ein Versprechen, mit dem sie von der Notwendigkeit der Umverteilung ablenken.

Wenn die materiellen Ressourcen nicht da sind, dann könne eine Familie ihre Kinder nicht auf einen Berufsweg schicken, wie er bei der wohlständigen Mittelschicht oder den gehobenen Schichten möglich sei. Dieser Zusammenhang werde durch die Formel vom „Aufstieg durch Bildung“ von der Politik „vernebelt“.

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