Gespräch

Neuer Comic um das Fabelwesen: Das Marsupilami mischt die Nazis im Berlin der 30er Jahre auf

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Max Knieriemen

„Meiner Meinung nach funktioniert das Marsupilami am besten, wenn man es aus dem Urwald rausnimmt. Deswegen war die Anlage schon, es in eine Stadt zu bringen“, sagt der Comiczeichner Flix. In seinem neuen Band „Das Humboldt-Tier – Ein Marsupilami-Abenteuer“ erzählt er, wie Alexander von Humboldt das Marsupilami auf seiner Südamerika-Reise entdeckt und nach Berlin bringt. Dort wird es erstmal in einer Kiste vergessen, bis es 150 Jahre später ausbricht und die Nazis im Berlin der 1930er Jahre entdeckt.

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Das Marsupilami: humanistisch, fast anarchistisch

Das Marsupilami habe einen humanistischen, fast anarchistischen Grundcharakter. Wenn man das in eine andere Welt versetze und auch in eine andere Zeit, dann bewege es sich quasi von alleine, so beschreibt Flix die Arbeit an dem Comic.

©FlixDupuisCarlsen Verlag GmbH, Hamburg 2022 (Foto: Pressestelle, ©Flix/Dupuis/Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2022)
Humboldt entdeckt das Marsupilami: Comic von Flix holt das Fabelwesen nach Berlin Pressestelle ©Flix/Dupuis/Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2022

Flix will Parallelen aufzeigen

Das gelbe Fabelwesen sei mit seiner Weltsicht tendenziell liberal bis links: „Und wenn dann ein paar Nazi auftauchen, dann kann es das nicht gut finden. Dann muss es sich dazu verhalten und geht mit diesen Figuren ähnlich um wie mit Raubtieren im Urwald – die kriegen auf die Schnauze.“

Flix habe von heute erzählen wollen, aber nicht so eindeutig. „Deswegen habe ich dieses Setting gewählt, wo man Parallelen aufzeigen kann, und den Menschen zeigen kann: Ihr braucht keine Angst haben. Was Fremdes ist nicht zwangsläufig schlechter, im Gegenteil, das kann eine unfassbare Bereicherung für das eigene Leben sein.“

Zeichnungen aus „Das Humboldt-Tier – Ein Marsupilami-Abenteuer“ von Flix (Foto: Pressestelle, Carlsen Comics)
Ein Blick in „Das Humboldt-Tier“. Pressestelle Carlsen Comics

Für ihn sei es eine große Ehre, das Marsupilami zeichnen zu dürfen. Die Comics von André Franquin, dem Erfinder des frankobelgischen Comic-Klassikers „Maruspilami“, habe Flix als Kind geliebt. „Und jetzt auf einmal mit diesen Figuren ein eigenes Abenteuer erleben zu dürfen, das ist unfassbar, wie wenn man auf einmal mit seinem großen Star auf die Bühne gehen darf. Das ist irre“, so Flix.

Flix (Foto: Carlsen Comics)
Die Comics von Flix sind fiktiv, tragen jedoch oft autobiographische Züge. Carlsen Comics

Gespräch Das Marsupilami wird 70: Über sich selbst lachen können

Es ist gebaut wie ein Affe, allerdings mit Leopardenfell. Es hat lange Arme, kurze Beine und vor allem einen sieben Meter langen Schwanz. Der macht das Marsupilami zu einer Art Superhelden. Es schwingt sich an ihm von Ast zu Ast, hüpft auf ihm wie auf Spiralsprungfedern oder knüllt sein Schwanzende zu einem Knäuel, mit dem sich jeder noch so starke Gorilla K.O. schlagen lässt.
Jetzt feiert das Marsupilami seinen 70. Geburtstag. Bei seinem ersten Auftritt im Comic Spirou und Fantasio heißt es: „Das Marsupilami lacht, ist über sich selbst erstaunt, wird es jetzt noch öfter lachen?“ SWR2 Comic-Experte Max Bauer ist überzeugt: „Das ist im Grunde auch seine Funktion: Eine Figur im Comic, die über den Comic zu lachen anfängt.“  mehr...

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