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INTERVIEW

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Seit 60 Jahren schreibt Helga Schubert – täglich, nachts.  Die meiste Zeit jedoch war sie nur Literatur-Experten ein Begriff: In der DDR gehörte sie zu den unbequemen Literaten, musste beispielsweise 1980 eine Einladung zum Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt ablehnen.

Politisch engagierte sich Helga Schubert nach dem Fall der Mauer beim „Runden Tisch“, später beobachtete die ausgebildete Psychotherapeutin: „Männer und Frauen in Ost und West haben eine unterschiedliche Sozialisation. Es sind keine Defizite, es sind Diktaturfolgen“.

Diesen Sommer wurde ihre Kurzgeschichte „Vom Aufstehen“ in Klagenfurt preisgekrönt, eine späte Genugtuung. Helga Schubert lebt zurückgezogen bei Wismar, wo sie ihren schwerkranken Mann versorgt. Die Autorin ist auch eine leidenschaftliche Leserin: „Ich beginne immer mit dem letzten Satz, dann mit der letzten Seite. Ich lese Romane rückwärts“.

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Kommentar Die berührende Realität im Digitalen — Abschluss des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2020

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SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Langes Warten auf Klagenfurt: Helga Schubert liest (endlich) beim Bachmann-Wettbewerb

Helga Schubert war 1980 schon einmal als Autorin zum Bachmann Wettbewerb eingeladen, durfte aber nicht aus der DDR ausreisen. Von 1987 bis 1990 saß sie selbst in der Jury. In diesem Jahr nimmt sie mit 80 Jahren endlich doch noch mit einem eigenen Text am Wettlesen teil, wenn auch wegen Corona in diesem Jahr nur „digital“.
„Das ist für mich eine große Ehre“, sagte Schubert heute in SWR2 am Morgen. Auch wenn man als moderner Mensch ja eigentlich keine Triumph-Gefühle haben dürfe - „aber ich habe diesen Triumph“, so Schubert. Und zwar weil es 1980 eine vollkommen absurde Begründung gewesen sei, warum sie nicht nach Klagenfurt fahren durfte. „Es ging explizit darum, dass kein DDR-Schriftsteller mehr als Autor liest, wenn der berüchtigte Antikommunist Marcel Reich-Ranicki Chef der Jury ist.“
Der DDR-Staat habe mit allen Mitteln verhindern wollen, „die Chimäre einer deutschen Literatur“ zu unterstützen. Bei ihrem diesjährigen Beitrag zum Bachmann-Wettbewerb handele es sich um ihre wichtigste Erzählung, die sie in ihrem ganzen Leben geschrieben habe, betonte Helga Schubert. „Dazu musste ich 80 Jahre werden, um die schreiben zu können.“  mehr...

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