Literatur

Hans Magnus Enzensberger im Alter von 93 Jahren verstorben

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Der Schriftsteller, Lyriker und Essayist Hans Magnus Enzensberger ist tot. Im Alter von 93 Jahren verstarb Enzensberger am 24.11.22 in München. Das gaben die Verlage Suhrkamp und Hanser mit Berufung auf die Familie bekannt.

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Politische Diskurse und gesellschaftliche Debatten

Geboren am 11. November 1929 im Allgäu wurde Enzensberger neben Autoren wie Günter Grass, Martin Walser, Uwe Johnson oder Heinrich Böll zu einem der prägenden Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur.

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie mischte sich Enzensberger als Autor immer wieder in gesellschaftliche Debatten ein. Auch bei politischen Diskursen war Enzensberger aktiv.

Sein erster Lyrikband „Verteidigung der Wölfe“ erschien 1957 und sorgte für großes Aufsehen. Später schrieb Enzensberger Romane, Essays, Erinnerungen und Anekdoten, veröffentlichte diese auch unter Pseudonymen. So unter anderem als „Serenus M. Brezengang“, ein Anagramm aus seinem Namen.

Enzensberger hatte ein Gespür für Tendenzen

Bereits 1963 erhielt Enzensberger im Alter von nur 33 Jahren den Büchner-Preis, ferner war er eine der zentralen Figuren der Schriftstellertreffen der Gruppe 47. Enzensberger war Ende der 60er Jahre eine Orientierungsfigur für die Studentenbewegung, vor allem mit seinem Werk „Kursbuch“. Später kehrte er jedoch von den Idealen der 68er Bewegung ab.

Enzensberger hatte in Debatten oft ein Gespür für Trends und Tendenzen, wurde aber häufig dafür kritisiert, seine politischen Ansichten zu wechseln.

2014 übergab Enzensberger sein Archiv als Vorlass an das Literaturarchiv Marbach. Teile dieser Manuskripte und Dokumente sind als Dauerausstellung im Literaturmuseum der Moderne zu sehen.

SWR2 Literaturchef Frank Hertweck zum 90. Geburtstag Enzensbergers:

„Er ist einer der ganz großen Nachkriegsintellektuellen in Deutschland.“

Zeitgenossen Zum Tod von Hans Magnus Enzensberger - Gespräch mit dem Autor aus dem Jahr 1999

Alle Autobiografien sind nichts als eine Selbsttäuschung, sagt Hans-Magnus Enzensberger vor dem Zeitgenossen-Gespräch im Jahr 1999. Daher will er auch nicht über sein Leben sprechen. Er spricht dafür von der Wahrheit und der Fiktion, von der Literatur und den Geschichten, die sie schreibt, damit die Welt uns etwas bietet, was uns die Realität vorenthält. Und dennoch spricht er auch viel von sich selbst.

Gespräch „Der freiheitlichste unter den deutschen Literaten“: Zum Tod von Hans Magnus Enzensberger

Mit Hans Magnus Enzensberger ist der ,,freiheitlichste unter den deutschen Denkern und Literaten" gestorben, sagt SWR2-Literaturchef Frank Hertweck. Sein ,,unglaublichen Autonomiewille" und sein sein ganz eigener Sound hat bereits das Erstlingswerks "verteidigung der wölfe gegen die lämmer" ausgezeichnet. Für die Bundesrepublik war Enzensberger einer der prägendsten Köpfe, der ,,zu allen wichtigen Debatten wichtiges gesagt" habe und immer schon gewittert habe, wo die Reise hingeht.

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Essay Die Sprache des "Spiegel"

Hans Magnus Enzensbergers wortgewaltige Abrechnung mit der Sprache und dem Gestus des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Ein Klassiker der Medienkritik.

SWR2 Essay SWR2

Buchkritik Hans Magnus Enzensberger, Jan Peter Tripp – Wirrwarr

Kurz nach seinem 90. Geburtstag meldet sich Hans Magnus Enzensberger zurück als Dichter. In „Wirrwarr“ gibt sich der „fliegende Robert“ der deutschen Literatur nun eher bodenständig und plädiert im Parlandoton für die Vorzüge der Endlichkeit – Lyrik, die mehr Lebenskunst als Kunst bietet. Für letztere sorgen zwischen den Gedichten die Gemälde von Jan Peter Tripp.
Rezension von Wolfgang Schneider.

Gedichte und Bilder
Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-42916-7
140 Seiten
24 Euro

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Gedichte und ihre Geschichte „Das Blumenfest“ übersetzt von Hans Magnus Enzensberger

Der Schriftsteller, Essayist und Herausgeber der Zeitschrift „Konkursbuch“, dem Kultmagazin der Studentenbewegung, Hans Magnus Enzensberger gehörte zu den einflussreichsten deutschen Intellektuellen. Angefangen hat er als Lyriker in den 50er Jahren und immer wieder hat er auch Gedichte übersetzt. Dabei legte er stets Wert darauf, den Charakter des Ausgangstextes zu erfassen. Wie zum Beispiel beim Gedicht „Das Blumenfest“, das aus dem Codex Florentinus von Bernardino de Sahagún stammt. Einer Sammlung von Handschriften aus dem 16. Jahrhundert mit Texten über die Eroberung Mexikos und die Kultur der Azteken. Die Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger, der am 24. November 2022 im Alter von 93 Jahren gestorben ist, liest Kerstin Bachtler.

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Buchkritik Hans Magnus Enzensberger - Eine Experten-Revue in 89 Nummern

Bierdeckelsammler, Falkner, Proktologen - Enzensbergers Experten-Revue stimmt das Lob der Arbeitsteilung an. Eine kuriose Hommage auf alle Könner und Kenner.
Rezension von Wolfgang Schneider.

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