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Von Pop-Charts über Hollywood-Filme, Klassische Musik und Fußballstars: Überall gibt es Rankings und eine Auswahl der Besten — teilweise auch „Hall of Fame“, Ruhmeshalle, genannt. Zurückzuführen sei das alles im Grunde genommen auf ein Fresko aus dem Jahre 1511, meint der Heidelberger Kunsthistoriker und Universitätsprofessor Henry Keazor. „Die Schule von Athen“, geschaffen von Raffael, ist ihm zufolge die erste „Hall of Fame“.

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Best-of der Philosophie

Auch wenn das Raffael-Jahr 2020 — in Erinnerung an den 500. Todestag des Künstlers — corona-bedingt mehr oder weniger ganz ausgefallen ist, gibt es über den Künstler und seine Werke noch viel zu erfahren:

Henry Keazor etwa illustriert und beschreibt in seinem reich bebilderten Band, wie Raffaels „Schule von Athen“ aus dem Jahr 1511 unseren Begriff der „Hall of Fame“ geschaffen hat — zunächst als „Zunftbild der Philosophie“. Insgesamt sind darauf 58 Philosophen abgebildet, von denen fünf für Keazor eindeutig identifizierbar sind.

Rafael Sanzio da Urbino (April 6 or March 28, 1483 -> April 6, 1520), Die Schule von Athen, oder Scuola di Atene, ist eines der bekanntesten Gemälde des italienischen Renaissance-Malers Raffael. (Foto: Imago, IMAGO / Photo12)
Die „Schule von Athen“, oder „Scuola di Atene“, ist eines der bekanntesten Werke des italienischen Renaissance-Malers Raffael. Imago IMAGO / Photo12

Von Aposteln bis Hollywood-Stars und Legofiguren

In seinem Buch zeichnet Keazor die Rezeptionsgeschichte des Werkes nach. Giorgio Ghisi liefert anno 1550 den ersten Kupferstich von Raffaels „Schule von Athen“ und macht dabei aus Platon einfach Paulus, denn irgendwie muss man ja die griechischen Philosophen dem christlichen Weltbild unterordnen.

Und auch andere Geistesgrößen werden ab dem 19. Jahrhundert in einer „Hall of Fame“ Marke Raffael verewigt: Die Reformatoren bei Wilhelm von Kaulbach. Juristen und Mediziner bei Jakob Götzenberger. Renato Casaro vereint 1988 die größten Hollywoodstars im Stil der „Schule von Athen“, mit James Dean und Marilyn Monroe im Zentrum wie einst Platon und Aristoteles. Im selben Jahr malt Ben Willikens für das Haus der Wirtschaft in Stuttgart zweimal die „Schule von Athen“ nur noch als Fassade ohne Philosophen. Und das Lego-Set „School of Athens and Friends“ verewigt die Philosophen als Klötzchenfiguren.

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