Graphic Novel

Wie Angela Davis vor dem FBI floh – Graphic Novel über die Ikone der Black-Power-Bewegung

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1969 wird die Bürgerrechtlerin Angela Davis zum Staatsfeind Nummer eins der USA.: „Gejagt. Die Flucht der Angela Davis“ erzählt von einer selbstbewussten, studierten jungen Frau, die sich von nichts und Niemandem einschüchtern lässt, weder vom FBI noch von der Politik.

Ihre Flucht vor der Verfolgung durch das FBI bildet den roten Faden der Graphic Novel von Fabien Grolleau und Nicolas Pitz. Ganz gleich, ob man Angela Davis bereits kennt oder zum ersten Mal von ihr hört: „Gejagt. Die Flucht der Angela Davis“ ist spannungsvoll und gut recherchiert erzählt.

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FBI und Politik wollten verhindern, dass Davis in der Bevölkerung beliebt wird

Ich gebe mein Leben für den Kampf, sagt Angela Davis in einem Interview. Und wenn sie ihr Leben im Kampf verliere, dann müsse das eben so sein. Sie sagt das 1969. Ein Jahr, bevor das FBI Davis zum Staatsfeind Nummer eins erklärt.

FBI-Chef J. Edgar Hoover trifft Präsident Nixon, um den „Fall Angela Davis“ zu besprechen und sagt es so: Sie ist eine Frau, Schwarz und Kommunistin. Angela Davis müsse aufgehalten werden, bevor sie bei der Bevölkerung zu beliebt werde.

Von Klein auf ist Davis mit Gewalt konfrontiert

Die erste Maßnahme: Davis verliert ihre Stelle als Philosophiedozentin an der University of California. Die Graphic-Novel „Gejagt - die Flucht der Angela Davis“ erzählt von einer selbstbewussten jungen Frau, die in Europa bei Jean Paul Sartre und Theodor Adorno studiert hat und die sich von nichts und niemanden einschüchtern lässt, weder vom FBI noch von der Politik.

Illustrationen aus der Graphic Novel „Gejagt – Die Flucht der Angela Davis“ (Foto: Pressestelle, Cross Cult)
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Ihre Flucht vor der Verfolgung durch das FBI bildet den roten Faden, unterbrochen von Rückblicken in ihre Kindheit, Studienzeit und Anfänge als Dozentin. Diese Rückblicke zeigen, wie Angela Davis von Klein auf mit der Gewalt gegen die Schwarze Bevölkerung konfrontiert wurde.

Die Graphic Novel erzählt die Geschichte der Flucht

Jetzt als erwachsene Frau erlebt sie die volle Macht des amerikanischen Staates, wenn es darum geht, sie als Mitglied der Kommunistischen Partei aus dem Weg zu schaffen. Das FBI beschuldigt Angela Davis der Geiselnahme und des Mordes an einem Richter und zwei weiteren Menschen - ohne dass sie am Tatort war.

Das Problem ist aber: Der Täter verwendete Waffen, die Angela Davis gehören. Sie bestreitet, ihm die Waffen gegeben zu haben. Es hilft nichts, sie wird nach kalifornischem Recht für genauso schuldig befunden wie der Täter. Das FBI druckt ihr Foto auf Most-Wanted-Plakate.

Angela Davis flieht und taucht unter. Das ist die Flucht der Angela Davis, von der Fabien Grolleau und Nicolas Pitz in ihrer Graphic Novel erzählen. Die Zeichnungen von Nicolas Pitz geben die Figuren und Schauplätze realistisch wieder. Angela Davis erkennt man an ihrer charakteristischen Zahnlücke und ihrer Afro-Frisur.

Die bunte Trickfilmwelt trifft auf die harte Lebenswelt der schwarzen Bevölkerung

Und doch hat sie mit ihren großen Augen und den langen Beinen auch etwas von einer Disney-Heldin. Auch die Panels erinnern an einen Disney-Film: Es gibt Close-Ups von Gesichtern, die Emotionen überdeutlich zeigen. Actionreiche Handlungen werden in viele kleine Panels unterteilt.

Dieser Stil greift die Farben- und Bildersprache der kitschigen US-amerikanischen Trickfilme auf und konfrontiert sie auf spannungsvolle Art mit der realen, harten Lebenswelt der schwarzen Bevölkerung. Angela Davis’ Geschichte ist von Fabien Grolleau zwar sehr gut recherchiert. Trotzdem wünscht man sich, etwas mehr darüber zu erfahren, mit welchen Aussagen und Reden Davis der amerikanischen Regierung ein Dorn im Auge war.

Eine Ikone der Black-Power-Bewegung

Schließlich ist sie nicht nur Aktivistin, sondern auch Denkerin und Autorin zahlreicher Texte, in denen sie sich bis heute mit den Zusammenhängen von Race, sozialer Herkunft und Geschlecht auseinandersetzt.

Wenn das FBI Angela Davis schließlich festnimmt, ist sie schon längst die, vor der sich die US-Regierung gefürchtet hat: Eine Ikone der Black-Power-Bewegung. In Frankreich, in der DDR, in Kuba, Indien, Italien und Polen, auf der ganzen Welt demonstrieren Menschen für ihre Freilassung.

Nach zwei Jahren wird Angela Davis 1972 tatsächlich von einer weißen Jury freigesprochen. Ein unglaublicher Erfolg, der aber nicht das Ende ihres Kampfes für Gleichberechtigung bedeutet, sondern der der Anfang, einer lebenslangen Aufgabe ist, die bereits in ihrer Kindheit begonnen hat.

Musikthema Angela Davis: Bürgerrechtlerin und Aktivistin

Sie wurde zu Beginn der 70er Jahre zur weltweiten revolutionären Ikone, und sie ist bis heute eine der prominentesten Stimmen der Linken in den USA und der ganzen Welt – die afroamerikanische Philosophin und Aktivistin Angela Davis. Zahlreiche Musiker*innen haben ihr Huldigungsmusiken komponiert. Aber auch sie selbst hat sich immer wieder zu Fragen von Musik und Gesellschaft, zur afroamerikanischen Musik und zum Jazz geäußert. Niklas Wandt mit einem Porträt über Angela Davis und ihre vielfältigen Aktivitäten.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Gesellschaft „Roots“-Autor Alex Haley wäre 100 Jahre alt geworden: Literatur zur afro-amerikanischen Identitätsfindung

Der am 11. August 1921 in Ithaca, New York, geborene Journalist und Autor wurde bekannt durch seine Interviews mit US-amerikanischen Persönlichkeiten wie Muhammad Ali, Miles Davis, Martin Luther King Jr., Malcolm X und Quincy Jones. Mit seinem Jahrhundertwerk „Roots: The Saga of an American Family“ spürte er seiner Familiengeschichte über die Sklavenplantagen der Südstaaten bis ins heutige Gambia nach. 1992 starb Haley.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Literatur „Das Heidenloch“: Splatter-Horror aus Heidelberg — nun als Graphic Novel

Vor 25 Jahren hatte der Heidelberger Martin Schemm die Idee für eine blutrünstige Horrorgeschichte über einen realen, aber gleichzeitig auch sehr geheimnisvollen und äußerst mythologischen Ort. Das „Heidenloch“ im Stadtwald zwischen Klosterruine und heidnischen Keltenspuren. Das Heidelberger Stadtarchiv fand die Idee toll. Und finanzierte im Jahr 2000 die Veröffentlichung des Horror-Romans. Aus dem „Heidenloch“ in 56 Meter Tiefe tauchen anno 1907 monströse Wesen auf, die Nacht für Nacht in Heidelberg Jagd auf die Bevölkerung machen… Ein Archivar entdeckt 100 Jahre später die geheim gehaltenen Akten… Nach dem Roman gab es 2009 ein Hörspiel im SWR und jetzt folgt die nächste Variante. Das „Heidenloch“ als Graphic Novel. Stilecht vor Ort am Original-„Heidenloch“ auf dem Heiligenberg vorgestellt.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Literatur Freiburger Initiative macht Comic aus AFD-Zitaten: „Vogelschiss. Die Graphic Novel gegen Rechts“

Eine Freiburger Initiative macht unter dem Namen „Guano Project“ auf die wachsende Gefahr rechtspopulistischer und rechtsextremer Propaganda aufmerksam. Aus ihrer Sammlung von Originalzitaten aus dem AFD-Umfeld ist jetzt der Comic „Vogelschiss. Die Graphic Novel gegen Rechts“ entstanden, professionell gemacht und durch Crowdfundig finanziert.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Literatur „Beate & Serge Klarsfeld“ von Pascal Bresson und Sylvain Dorange porträtiert das Nazijäger-Paar

Das deutsch-französische Ehepaar Beate und Serge Klarsfeld hat es sich zur Aufgabe gemacht, ehemalige NS-Verbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu stellen. Dabei haben sie mit spektakulären Aktionen versucht, die Öffentlichkeit aufzurütteln. 1968 ohrfeigte Beate Klarsfeld den damaligen Bundeskanzler Kiesinger, 1971 planten sie die Entführung des Gestapo-Chefs Kurt Lischka. In Bolivien konnten sie den „Schlächter von Lyon“ Klaus Barbie ausfindig machen. Mit großem Respekt erzählt eine neue Graphic Novel in einer ebenso beeindruckend detaillierten wie abenteuerlichen Weise vom Leben der Klarsfelds.  mehr...

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