Literatur

Tsitsi Dangarembga im Literaturhaus Stuttgart: Die Autorin und Filmemacherin über Frauenleben in Simbabwe

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Sie ist eine der wichtigen Stimmen der afrikanischen Literaturszene: Tsitsi Dangarembga, die im Oktober 2021 in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennehmen konnte. Die Autorin und Filmemacherin aus Simbabwe macht sich in ihren Werken für die Rechte von Frauen stark, die für ein selbstbewusstes Leben streiten. Im Literaturhaus Stuttgart erzählt sie von ihrem Weg als Filmemacherin und Autorin.

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Bereits in den 1990er Jahren in Deutschland Station gemacht

Tsitsi Dangarembga, die in den 1990er Jahren in Berlin an der Filmakademie studiert hat, zeigt sich zu Beginn des Gesprächs ambitioniert: Fragen auf Deutsch, Antworten auf Englisch. „Hoffentlich antworte ich jetzt tatsächlich auf die Fragen, die mir gestellt werden!“ sagt Dangarembga lachend. Überhaupt lacht die Filmemacherin und Autorin gern und greift später auch ganz selbstverständlich ins Geschehen ein, indem sie zur Verwunderung der Moderatorin darauf besteht, eine ganz bestimmte Textstelle aus der Lesung noch einmal hören zu wollen.

Sie ist eben eine Macherin: Filmproduzentin, Geschäftsführerin der Autorinnen – und Autorenvereinigung Simbabwes, sie hat ein Internationales Filmfestival aus der Taufe gehoben und ermutigt junge Filmemacherinnen, ihre Geschichten zu erzählen. Nach einem Wettbewerb in den 1980er Jahren hätten sie damals versucht, vier Drehbücher zu realisieren: „Wir konnten zwei von ihnen 1985 realisieren, den dritten konnten wir 2016 machen, als wir Geld dafür hatten. Und ich glaube nicht, dass der vierte gedreht wird.“

Literatur Tsitsi Dangarembga hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021 erhalten

Die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga hat am Sonntag, den 24. Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021 erhalten.  mehr...

Langer Weg zur Veröffentlichung

In Simbabwe muss man einen langen Atem haben. Das erklärt, warum Tsitsi Dangarembga für die Verwirklichung ihrer Romantrilogie fast 30 Jahre benötigt hat. Mitte der 1980er ist der erste Band mit dem Titel „Nervous conditions“, zu Deutsch „Aufbrechen“, erschienen – die Geschichte eines armen schwarzen Mädchens vom Land, das sich gegen viele Widerstände eine Schulausbildung ertrotzt, um ihren eigenen Weg gehen zu können. Eine Geschichte, die bei Simbabwes Verlegern nicht ankam. Ein Freundin rät Dangarembga damals, die Geschichte an einen feministischen Verlag in England zu schicken, die „Women's Press“.

SWR2 lesenswert Kritik Tsitsi Dangarembga: Überleben

Tsitsi Dangarembga erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das Werk der simbabwischen Schriftstellerin ist jetzt im Orlanda-Verlag zu entdecken. Mit "Überleben" rundet sie die Romantrilogie um ihre Protagonistin Tambudzai Sigauke ab. Tambu wohnt zur Jahrtausendwende in Harare. Als sie eine verheißungsvolle Stelle kündigt, stürzt sie in eine Depression. Später gelingt ihr ein zweifelhafter Aufstieg in die verheißungsvolle Welt des Wohlstands.


Aus dem Englischen von Anette Grube
Orlanda Verlag, 371 Seiten, 24 Euro
ISBN 978-3-94466-687-7  mehr...

SWR2 lesenswert Kritik SWR2

Als Tsitsi Dangarembga vier Jahre später während einer Geschäftsreise in London ist, fragt sie bei dem Verlag nach. Dort gibt man zu, das Manuskript noch nicht gelesen zu haben: „So sind sie dann in den Keller gestiegen und kamen tatsächlich mit dem khaki-farbenen Umschlag wieder hoch, der von Harare nach London gegangen ist. Und sie haben gesagt: Das würden sie jetzt lesen.“

Frauenschicksale am Schnittpunkt von Rassismus und Patriarchat

Nur einen Tag später hat Tsitsi Dangarembga die Zusage zur Veröffentlichung. In ihrer Romantrilogie, die auf Deutsch bislang nur in Teilen vorliegt, beschreibt die Autorin ganz unterschiedliche Frauenschicksale. Im ehemaligen Kolonialland Rhodesien sei die gesamte schwarze Bevölkerung diskriminiert worden, meint sie — im heutigen, von Männern dominierten Simbabwe seien es die Frauen, die noch immer das Nachsehen hätten.

Sie freut sich, dass sie mit ihrem ersten Band, die Frauengenerationen ins Gespräch gebracht hat. Die Geschichte erzählt von den Lebensbedingungen der Mädchen und Frauen auf dem Land während der Kolonialzeit. Das würden die Jungen nicht mehr kennen, meint Tsitsi Dangarembga: „Die ältere Generation hat das gelebt, was dort beschrieben wird. Die Jüngeren können das lesen und fragen: war es wirklich so? Dann können sie sich darüber unterhalten.“ 

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