Verleger sorgen sich um sinkende Buchverkaufszahlen Lesen macht klüger und gesünder

Interview am 24.3.2018 mit Verlegerin Felicitas von Lovenberg

Sobald Nichtleser den Eindruck haben, sie seien in guter Gesellschaft, läuft etwas schief. Das meint Felicitas von Lovenberg, Chefin des Münchner Piper-Verlags. Immer mehr Menschen surfen und überfliegen Texte. Sechs Millionen Buchkäufer hätten die Verlage allein während der vergangenen vier Jahre verloren, schätzt der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Von Lovenberg will ein Zeichen setzen gegen das befürchtete Ende der Lesekultur.

Tägliches Lesen macht klüger

Gelesen wird weiterhin viel. Doch auf welche Weise? Diese Frage treibt Felicitas von Lovenberg um. Die Verlegerin wirbt für "deep reading", das konzentrierte Lesen längerer Texte. Das sei nun einmal mehr, als auf Facebook oder bei WhatsApp kurze Textnachrichten zu überfliegen.

Es sei wissenschaftlich erwiesen, so von Lovenberg, "dass schon dreißig Minuten vertieftes Lesen am Tag uns klüger machen, gesünder, stabiler, weniger anfällig für Depressionen, kommunikationsfähiger, empathischer, besserverdienender und und und", sagt die Verlegerin im SWR2-Interview mit einem Augenzwinkern.

Vielleser kommen besser mit der Welt klar

Vielleser seien zwar nicht unbedingt die glücklicheren Menschen. Aber, ergänzt die Verlegerin: "Sie sind einfach fähiger, die Welt in ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer Komplexität wahrzunehmen und zu reflektieren."

Lesen gegen Depressionen und psychosomatische Störungen

Die Wirkung des Lesen sei deshalb kaum zu unterschätzen, meint von Lovenberg. Depressionen seien Volkskrankheit Nummer 1. Immer mehr Menschen litten unter psychosomatischen Störungen. Es sei klar, "dass Menschen, die gewohnt sind, viel zu lesen, sich in die Schuhe von jemand anderem zu stellen und sich die Welt aus der Perspektive von jemand anderem anzuschauen - dass die einfach besser gerüstet sind, um mit den Zumutungen unserer Gegenwart umzugehen."

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