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Die von den Enthüllungen des Whistleblowers Julian Assange betroffenen Staaten hätten es geschafft, die Scheinwerfer auf Assange zurückzuwenden, sagt der Sonderbeauftrage der Vereinten Nationen für Folter, der Rechtswissenschaftler Nils Melzer, in SWR2. Melzer ist Autor des Buches „Der Fall Julian Assange. Geschichte einer Verfolgung“, das am 19. April erschienen ist und die Geschichte des Whistleblowers nachzeichnet, der seit zwei Jahren in Großbritannien inhaftiert ist.

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Julian Assange: Vom Verfolger von Verbrechen zum Verfolgten

Bei der Berichterstattung über Assange sei die Frage in den Mittelpunkt gerückt, ob der Whistleblower ein Held oder Missetäter sei, so Melzer. Dabei müsse es eigentlich darum gehen, was Assange bewirkt habe, nämlich Kriegsverbrechen zu enthüllen, Folter, Umweltverschmutzung und schwerste Korruption. Juristisch verfolgt werde stattdessen jetzt derjenige, der die Aufmerksamkeit auf diese Taten gelenkt habe.

„Er hat sich natürlich sehr stark exponiert“, sagt der Professor für Völkerrecht über Assange und Berichte über dessen angeblich narzisstische Persönlichkeit. „Aber das ist eigentlich nicht relevant“, so Melzer.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julien Assange lassen sich nicht belegen

Auch gingen Vorwürfe ins Leere, Assange habe durch die Veröffentlichung von Mails der Präsidentschaftskampagne von Hilary Clinton in den US-Wahlkampf eingegriffen. Journalisten, die während des Wahlkampfs sexistische Äußerungen von Donald Trump geleakt hatten, habe man solche Vorwürfe auch nicht gemacht.

Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange in Schweden ließen sich nicht belegen. Das sei der schwedischen Staatsanwaltschaft von Anfang an klar gewesen. Auch wenn Assange in den USA mittlerweile wohl keine Todesstrafe mehr drohe, würde er im Falle einer Auslieferung wohl lebenslang im Gefängnis verschwinden.

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