Literatur

„Doch meine Seele hat Narben” – Die Holocaust-Überlebende Niusia Horowitz

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Reiner Engelmann erzählt in seinem Buch „Doch meine Seele hat Narben“ die bewegende Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Niusia Horowitz. Dass die Zeitzeugin heute über ihre Geschichte sprechen kann, verdankt sie auch Oskar Schindler, auf dessen berühmten Liste ihr Name stand. Unermüdlich setzt sie sich die heute 90-Jährige dafür ein, dass sich die Geschichte niemals wiederholt.

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Beeindruckende Zeitzeugin

Der Autor Reiner Engelmann lernte Niusia auf einer Studienfahrt nach Auschwitz kennen, auf der sie als Zeitzeugin ihre Geschichte erzählte und dabei sagte: „Rein äußerlich sieht man mir nichts an, aber meine Seele hat Narben“. Dieser Satz bewegte Reiner Engelmann so sehr, dass er Kontakt zu ihr aufnahm und lange Gespräche mit ihr führte. Der Satz ist schließlich auch der Titel seines Buches über ihr Leben geworden.

Kindheit mit dem Überfall der Nationalsozialisten beendet

Im September 1939 hätte die siebenjährige Niusia Horowitz eingeschult werden sollen. Doch der Krieg beendete nicht nur schlagartig die Kindheit von Niusia Horowitz, sondern änderte das Leben von Millionen Menschen und brachte Leid, Tod und ungezügelte Gewalt über das jüdische Volk.

Keine Vorahnung von dem bevorstehenden Leid

Die erste Flucht fühlte sich für Niusia noch wie ein großes Abenteuer an. Doch schnell spürte sie die Anspannung der Erwachsenen und war täglich mit Elend und Hass konfrontiert.  Eine Vorahnung, was ihr noch bevorstehen würde, hatte Niusia Horowitz damals noch nicht. Vertrieben und ohne Gepäck kam sie mit ihren Eltern in das Ghetto von Krakau. Darauf folgte das Ghetto Bochnia, das Konzentrationslager Plaszow („Plaschowf“) und das Konzentrationslager Auschwitz. Hunger, Durst und Hinrichtungen waren überall an der Tagesordnung.

Oskar Schindlers Liste rettete ihr Leben

Dass die Zeitzeugin heute über ihre Geschichte sprechen kann, verdankt sie vor allem einem Mann: Oskar Schindler. Er setzte ihren und die Namen ihrer Familie auf eine Liste, damit sie in seiner Fabrik in Brünnlitz arbeiten können und rettete Niusia und ihre Mutter damit aus Auschwitz. Als Niusia Horowitz 13 Jahre alt war, endete der Krieg und sie und viele weitere Juden wurden im Mai 1945 von der russischen Roten Armee befreit. Langsam gewann sie Vertrauen zur Welt zurück. Dennoch verfolgt sie das Erlebte bis heute und viele Bilder kann sie nicht vergessen. Darüber zu sprechen, fällt ihr schwer, sagt Reiner Engelmann.

Sprechen, damit das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät

Doch heute spricht sie, wie auch für das Buch von Reiner Engelmann, damit das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät und sich nicht wiederholt. Mit dem Buch erzählt Reiner Engelmann das Schicksal eines damaligen Kindes, stellvertretend für unzählige Kinderleben. Ihrem Retter Oskar Schindler ist Niusia Horowitz immer noch dankbar, ein Bild von ihm hängt über ihrem Bett. Heute, zu ihrem 90. Geburtstag, besucht Reiner Engelmann Niusia Horowitz in Krakau und wünscht ihr vor allem eins: Frieden.   

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