Gespräch

Die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk: Mein Land ist kein Opfer mehr

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INTERVIEW
Wilm Hüffer

„Mein Land hat mich gelehrt, wie man keine Angst mehr hat", sagt die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk im SWR. In ihrem Essayband „Gleich geht die Geschichte weiter, wir atmen nur aus“ (KiWi-Verlag) schildert die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin (2018) eindringlich, was die kriegerische Expansionspolitik Russlands mit der Ukraine und seinen Menschen anrichtet. Die Verluste seien hoch, erklärt die Autorin, aber der Wille zum Sieg des ukrainischen Volkes ungebrochen.

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„Das Land ist kein Opfer mehr“, bekräftigt Maljartschuk. Die Ukraine werde trotz Putins Angriffe fortbestehen, davon ist die Autorin überzeugt. Auch Maljartschuk hatte Angst, als sie in Wien die Bilder von rollenden russischen Panzern in der Ukraine gesehen hat, aber ihr Volk sei sehr tapfer und schrecke vor den Aggressionen Putins nicht mehr zurück.

Ob der russische Machtanspruch auch nach einem möglichen Sieg der Ukraine bestehen bleibt, vielleicht sogar einen neuen russischen Revanchismus weicht, möchte Maljartschuk nicht prognostizieren. „Aber nach meiner Erfahrung kann die Ukraine nur existieren, wenn sie ein Teil der EU wird und Russland sie nicht mehr angreifen kann“, sagt Maljartschuk. „Das Regime von Putin wird die Ukraine nie in Frieden lassen“, erklärt die Autorin, erst wenn es auch in Russland eine demokratische Staatsform gebe, könne ihr Land frei sein.

Buchkritik Tanja Maljartschuk - Blauwal der Erinnerung

Ein literarisches Wagnis, das gelingt: Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk verbindet in ihrem Roman „Blauwal der Erinnerung“ die Geschichte des ukrainischen Volkshelden Wjatscheslaw Lypynskyi mit dem traurigen Liebesleben einer Schriftstellerin, die sich zu oft in Männer mit blondem Haar verguckt.

Carsten Otte im Gespräch mit Maike Albath

Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN: 978-3-462-05220-6
288 Seiten
22 Euro

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Tanja Maljartschuk: "Von Hasen und anderen Europäern"

Erzählungen
Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe
Edition.foto TAPETA
256 Seiten
19,80 Euro
Rezension von Michael Moritz

Gespräch Literaten im Krieg – die Ukraine und ihre Autor*Innen

„Manche wollen bleiben, andere fliehen, gerade, wenn sie Kinder haben“, sagt die Übersetzerin und Kulturberaterin Claudia Dathe in SWR2 zur aktuellen Situation der Literat*innen in der Ukraine: „Intellektuelle, die bleiben, wird man, wie in Russland, in Lager sperren, einschüchtern oder zur Ausreise zwingen. Man wird versuchen, die intellektuelle Elite zu vernichten.“

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Reportage Die Literaturszene in der Ukraine

Am 24. August 2021 feierte die Ukraine 30 Jahre Unabhängigkeit. Der junge Staat hat eine aufregende Literaturszene. Besonders ukrainische Autorinnen bekommen hierzulande immer mehr Aufmerksamkeit. Ihre Texte handeln von der wechselvollen Geschichte ihres Landes, aber auch vom aktuellen Krieg.
Reportage von Christiane Seiler.
Stanislaw Assejew - "In Isolation"
edition.fotoTAPETA, 224 Seiten, 15 Euro
ISBN 978-3-940524-94-2
Natalka Sniadanko - Der Erzherzog, der den Schwarzmarkt regierte, Matrosen liebte und mein Großvater wurde
Aus dem Russischen von Maria Weissenböck
Haymon Verlag, 424 Seiten, 25,90 Euro
ISBN 978-3-7099-3448-7
Tanja Maljartschuk - Blauwal der Erinnerung
Aus dem Russischen von Maria Weissenböck
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 288 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-462-05220-6
Serhij Zhadan - Internat
Suhrkamp Verlag, 300 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-518-42805-4

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Wilm Hüffer