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Woher speist sich die Wut der sogenannten Querdenker auf die Corona-Politik? Dieser Frage gehen Annelie Naumann und Matthias Kamann in ihrem Buch „Coronakrieger – Verschwörungsmythen und die Neuen Rechten“ nach. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die „argumentativ nicht mehr zugängliche Verachtung demokratischer Politik“ sowie auf die irrationalen Wurzeln der AfD.

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Annelie Naumann und Matthias Kamann haben für die Tageszeitung „Die Welt“ in den vergangenen Jahren viel zur AfD und der sogenannten „Neuen Rechten“ recherchiert. Das hat ihren Blick geprägt, den sie nun auf die spezielle Allianz von Menschen richten, die sich seit unter der Sammelüberschrift „Querdenker“ zusammengefunden haben.

Der Glaube an Verschwörungserzählungen verbindet

Viele protestierten zwar gegen die Belastungen durch die Lockdown-Regeln, würden aber dennoch zustimmen, dass die Coronakrise eine Naturkatastrophe ist – und eben keine Verschwörung böswilliger Mächte. Die Bereitschaft müsse erst mal vorhanden sein, zu denken, dass demokratische Rechtsstaaten und internationale Ordnungen von im geheimen sich verschwörenden Gruppen bestimmt würde.

Doch genau diese Bereitschaft, an Verschwörungserzählungen zu glauben, sei das verbindende Element zumindest von zwei wichtigen, wenn auch klar getrennten Strömungen bei den Querdenkern:

  • Anhänger der Alternativmedizin
  • Rechtspopulisten bis hin zu Rechtextremisten

Traditionenen der Alternativmedizin verweigern sich der Naturwissenschaft

Diese sehr spezielle Allianz gebe es außerhalb des deutschen Sprachraums so nicht: In Deutschland könnte eine Rolle spielen, dass es hier durch die alternativmedizinischen Traditionen schon länger einen Nährboden für ein Denken gibt, dass sich naturwissenschaftlicher Evidenz prinzipiell verweigert.

Wobei die Freunde der Homöopathie oder anderer esoterischer Heilformen offenbar längst nicht so empfänglich für Verschwörungsmythen seien wie die Neuen Rechten, meint Matthias Kamann: „ Es hat wissenschaftliche Befragungen unter Demonstrationsteilnehmern gegeben und da hat nur ein sehr kleiner Teil gesagt, dass Studien zum Klimawandel gefälscht wären.“

Verschwörungsnarrative vor allem im rechten Spektrum

Im Rechten Spektrum aber seien solche Behauptungen ebenso verbreitet wie die weltumspannenden Verschwörungsmythen zu einem gesteuerten „Bevölkerungsaustausch“ durch Migration, die in Fragestellungen zur Kriegsschuld Nazideutschlands oder in der besonders extremen Qanon-Erzählung über Eliten gipfelten, die ihr Überleben dank Kinderblut sicherten. Lauter Horrorgeschichten, die die Menschen in die Opposition zum pluralistischen, demokratischen System trieben.

„Ich berichte bei der Welt seit 2016 über die AfD und habe zu meiner eigenen Überraschung durch diese Recherche nun noch einmal wahrgenommen, welch große Rolle dort Verschwörungsnarrative spielen.“  

Matthias Kamann, Co-Autor von : „Coronakrieger – Verschwörungsmythen und die Neuen Rechten“

Direkte Linie zum Jahrhunderte alten Antisemitismus

Diese Narrative stünden durchaus in einer direkten Linie zum Jahrhunderte alten Antisemitismus, wie der Publizist Michael Brumlik in einem aufrüttelnden Vorwort erläutert. So ist das Buch „Coronakrieger“ vor allem ein Buch über die irrationalen Wurzeln der AfD geworden – wer eine Gesamtschau über diese Bewegung sucht, mag das bemängeln. Sehr wertvoll ist es aber als Denkanstoß, wie sich die Neue Rechte nach dem Ende der Pandemie in neue Allianzen etwa gegen die Klimapolitik der Bundesregierung stemmen wird. 

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