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Wie kaum ein anderer Verlag hat der Suhrkamp-Verlag das geistige Leben in der Bundesrepublik seit der Nachkriegszeit geprägt. Als einer der ersten überhaupt hatte Peter Suhrkamp von den Alliierten eine Lizenz zur Verlagsgründung erhalten. Große Autoren wie Bertolt Brecht, Max Frisch, Ingeborg Bachmann oder Thomas Bernhard, Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger oder Jürgen Habermas prägten über Jahrzehnte das Erscheinungsbild des Verlags.

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Der Autor Ralf Rothmann (Foto: Suhrkamp Verlag - Franka Bruns/Suhrkamp Verlag)
Der Autor Ralf Rothmann Suhrkamp Verlag - Franka Bruns/Suhrkamp Verlag

Etwas kleinlaut habe er sich gefühlt, als er Mitte der 80er Jahre als Debütant zum ersten Mal mit Siegfried Unseld gesprochen habe, erinnert sich der Schriftsteller Ralf Rothmann an seine eigenen Anfänge bei Suhrkamp anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung des Verlags am 1. Juli 1950. Der Nachfolger von Peter Suhrkamp als Verlagschef sei eine „imposante, raumgreifende Persönlichkeit“ gewesen, so Rothmann in SWR2. „Suhrkamp war die geistige Silhouette der Republik“.

Suhrkamp habe nach dem Krieg wie eine Schleuse gewirkt, um Qualitätsliteratur in Belletristik und Wissenschaft in Deutschland neu zu etablieren, „den Deutschen nach dem Krieg zu ihrer Sprache zurückzuverhelfen". Schon Peter Suhrkamp habe in einem Gespräch mit dem SDR 1950 seinen Anspruch deutlich gemacht, in die Gesellschaft hineinwirken zu wollen.

Siegfried Unseld habe das fortgesetzt, so Rothmann: „Er musste ja als Soldat nach Russland, war sich immer der Schuld der Deutschen aus dem Krieg bewusst. Auch sein Verhältnis zum jüdischen Geistesleben war ein ganz inniges. Damit verbunden war sicher auch ein Wunsch zur Wiedergutmachung." Mit der „edition Suhrkamp" sei es ihm gelungen, bedeutende geistige Werke möglichst vielen Menschen zu günstigen Preisen zugänglich zu machen.

11.5.1950 Peter Suhrkamp gründet zum 1.7.1950 den Suhrkamp Verlag

11.5.1950 | Am 1. Juli 1950 gründete Peter Suhrkamp den bis heute renommierten Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main. Vorausgegangen war eine lange gemeinsame Geschichte mit dem ebenfalls traditionsreichen S. Fischer Verlag, für den Suhrkamp fast 20 Jahre tätig war. Doch Suhrkamp und Gottfried Bermann Fischer hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg überworfen und es kam zum Bruch. Peter Suhrkamp übernahm eine Reihe von Autoren in seinen neuen Verlag – darunter Hermann Hesse und Bertold Brecht. Wenige Wochen vor der offiziellen Gründung spricht Suhrkamp am 11. Mai 1950 im Süddeutschen Rundfunk über seine Pläne. Zu diesem Zeitpunkt überlegte er noch, mit dem Verlag nach Stuttgart zu gehen.  mehr...

lesenswert Magazin Protest und Parlando: Neue Romane aus Deutschland und Frankreich und Lesempfehlungen zu #blacklivesmatter

Die Proteste gegen Rassismus in den USA und weltweit haben noch einmal die massive Diskriminierung von People of Colour deutlich gemacht. Wo liegen die Wurzeln von Gewalt und Ungleichbehandlung? Wir sprechen über Bücher schwarzer Autor*innen, die man jetzt (wieder) lesen sollte. Außerdem schauen wir nochmal auf #metoo: "Scham" von Inès Bayard ist ein erschütternder und lang nachhallender Roman über sexuelle Gewalt: unser SWR2 Buch der Woche. Wie wichtig das World Wide Web für unser Leben ist, hat sich noch einmal deutlich in der Corona-Krise gezeigt: Wir machen mit dem Autor Holger Noltze einen Streifzug durchs Netz und fragen nach neuen Formen ästhetischer Erfahrung in der digitalen Welt. Wir hören dem Schwadroneur Thomas Kapielski zu, der in seinem neuen Roman "Kotmörtel" mal wieder seine große Kunst des hochkomischen Parlierens unter Beweis stellt. Und dem rumänischstämmigen, deutschsprachigen Lyriker Alexandru Bulucz gelingt in seinem Gedichtband "Was Petersilie über die Seele weiß" die überraschende Verwandlung von Verdauung in Poesie.

#blacklivesmatter: Was man jetzt (wieder) lesen sollte, um die Proteste gegen Rassismus in den USA zu verstehen.
Gespräch mit Verena Lueken (FAZ)

Inès Bayard: Scham
Aus dem Französischen von Theresa Benkert
Zsolnay Verlag
ISBN 978-3-552-05976-4
224 Seiten
22 Euro
Rezension von Kristine Harthauer

Holger Noltze: World Wide Wunderkammer - Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution
Edition Körber
ISBN 978-3-89684-280-0
256 Seiten
20 Euro
Gespräch mit dem Autor Holger Noltze

Alexandru Bulucz: was Petersilie über die Seele weiß
Schöffling & Co. Verlag
ISBN 978-3-89561-507-8
120 Seiten
20 Euro
Rezension von Carsten Otte 

Thomas Kapielski: Kotmörtel. Roman eines Schwadronörs
Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-12759-9
410 Seiten
20 Euro
Rezension von Alexander Wasner  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Literatur Hingebungsvoll für Suhrkamp: Zum Tod von Cheflektor Raimund Fellinger

Er sei ein Mitarbeiter gewesen, der sich ganz dem Verlag hingegeben habe, sagt Hans-Ulrich Treichel, Schrifsteller und Germanist. Raimund Fellinger war sein Lektor. Beide haben seit den 80er Jahren zusammengearbeitet. Sein Tod sei ein historischer Einschnitt für Suhrkamp. Er sei der Mitarbeiter gewesen, der am meisten den Verlag repräsentierte, so Treichel. Seit 2006 war Fellinger Cheflektor des Suhrkamp Verlages, seit 2010 ebenfalls des Insel Verlages. Am Samstag ist er im Alter von 68 Jahren in Frankfurt am Main verstorben, wie der Verlag in Berlin mitteilte.  mehr...

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