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„Die Demokratie ist in Gefahr, wenn wir die Klimakrise nicht stoppen“ – Journalist Jonas Schaible über die Zukunft unseres Planeten

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Kristine Harthauer
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Lydia Huckebrink

Demokratie gibt es nur auf einer Erde, die bewohnbar ist, sagt der Journalist Jonas Schaible, der sich in seinem Sachbuch „Demokratie im Feuer“ dem Zusammenhang zwischen Klimawandel und Demokratie widmet. Er beschreibt Szenen, die Deutschland in dreißig Jahren drohen könnten: brennende Wälder um Berlin, sanktioniertes Wasser, Stromausfälle.

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Brände um Berlin und Stromausfälle

„Ich muss kämpferisch optimistisch sein“, sagt Jonas Schaible angesichts der Szenarien, die durch die Klimakrise drohen. In seinem Sachbuch „Demokratie im Feuer“ beschreibt er die Zukunft Deutschlands in dreißig Jahren eindrücklich: Seit drei Wochen brennt der Wald um Berlin, das Wasser ist sanktioniert, Duschen darf man nur noch alle vier Tage.

Immer wieder fällt der Strom aus, die Klimaanlage kommt gegen die Hitzewelle nicht an. Schaible zeigt auf, wie Klimaschutz und Demokratie sich gegenseitig beeinflussen. Denn Demokratie gibt es nur auf einer Erde, die bewohnbar ist.

Erde, Freiheit und Demokratie auf dem Spiel

Die Erde, die Freiheit und auch die Demokratie würden auf dem Spiel stehen, wenn die Politik nicht handele, so Schaible: „Die Bundesregierung ist zu langsam, so wie alle anderen Staaten zu langsam sind“.

Genau deshalb müssten wir versuchen, den Kampf gegen den Klimawandel mit demokratischen Mitteln zu beschleunigen. „Das heißt aber nicht, dass Demokratien nicht geeignet wären, das zu tun – das sind sie“, sagt Schaible in SWR2.

Tempolimit 130 schränkt Freiheit nicht ein

Den Menschen, die zum Beispiel ein Tempolimit von 130 Km/h als Eingriff in ihre Freiheit sehen, antwortet Schaible: „Bisher ist es so gewesen, dass in Demokratien alles verhandelbar sein muss und dass man so wenig wie möglich eingeschränkt sein darf. Jetzt aber läuft uns die Zeit davon“.

Das bisschen mehr scheinbare Freiheit zur ökologischen Zerstörung, die wir uns jetzt erkaufen, gehe mit viel mehr Zerstörung in Zukunft einher. Damit würden zukünftig mehr Freiheitseinschränkungen drohen: „Notlagen, Katastrophen, Dürren und im Zweifel der Zusammenbruch der liberalen Gesellschaft, wie wir sie kennen“, so Schaible.

Klimapolitik im Gespräch

Gegen jede Überzeugung "Wir brauchen kein Tempolimit"

Der Weltklimarat warnt vor der Klimakrise: Schon 2030 könnte die Erderwärmung die 1,5-Grad-Grenze überschreiten. In Deutschland werden deshalb wieder mögliche Schutzmaßnahmen diskutiert. Auch ein Tempolimit. Doch wie viel bringt das?
Die Kritiker argumentieren:
Erstens: Müssen wir eigentlich alles verbieten? Es ist alles erlaubt, was nicht verboten ist.
Zweitens: Tempolimits machen Autobahnen nicht sicherer.
Und drittens: In Zukunft spart ein Tempolimit keine einzige Tonne CO2 .
Nicole Diekmann und Stephan Anpalagan diskutieren deshalb die These: Wir brauchen kein Tempolimit.
Auch unsere Podcast-KollegInnen von "Energiekrise - und jetzt?" versuchen das Thema Tempolimit einmal von allen Seiten zu beleuchten - in ihrer Folge "Nüchtern betrachtet - das bringt ein Tempolimit": https://www.ardaudiothek.de/episode/energiekrise-und-jetzt/nuechtern-betrachtet-das-bringt-ein-tempolimit-31/ard/12445367/
Und noch ein Podcast-Tipp aus der Redaktion: In "Was geht - was bleibt" von SWR Kultur behandeln Kristine, Philine, Pia und Christian Themen, die die aktuellen Debatten bestimmen und fragen sich, was uns davon erhalten bleibt: Welchen Einfluss hat KI auf Studium und Lehre? Was passiert mit den vielen kriegstraumatisierten Menschen in der Ukraine? Reinhören lohnt sich!
"Was geht - was bleibt?" findet ihr hier: https://www.ardaudiothek.de/sendung/was-geht-was-bleibt-zeitgeist-debatten-kultur/10568995/

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Forum Neue Vorschriften für Heizung und Sanierung – Wie teuer wird der Klimaschutz?

Geli Hensolt diskutiert mit
Susanne Ehlerding, Redakteurin Tagesspiegel, Berlin
Dr. Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband
Peter Haas, Hauptgeschäftsführer Handwerk BW

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Tagesgespräch Andreas Jung (CDU): "Mittlerweile gibt es in allen Bereichen des Klimaschutzes in der Koalition Streit"

Nach Ansicht des Vizevorsitzenden der CDU im Bundestag, Andreas Jung, (CDU) gibt es in allen Bereichen des Klimaschutzes momentan Streit innerhalb der Koalition. "Egal ob es um die Heizungsdebatte oder das Thema Verkehr mit Verbrennerfrage geht, im Ergebnis werden die ständigen Diskussionen darüber die Akzeptanz für die Energiewende schwinden lassen", sagte der CDU-Politiker SWR2 Aktuell-Moderatorin Lissy Kaufmann. Jetzt sei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an der Reihe. Jung sprach in diesem Zusammenhang von verstaubten Wahlplakaten.

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