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Denkmäler anderer Kulturen zu zerstören oder zu rauben ist ein fester Bestandteil der Geschichte. „Das zeigt, dass Kultur eine unglaubliche Power entwickeln kann für die Identität der Menschen", sagt der Prähistoriker und Archäologe Hermann Parzinger, der ein neues Buch über das Phänomen verfasst hat.

Im Gespräch mit SWR2 verweist Parzinger, der auch Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist, dass die Sprengung von Buddha-Figuren durch die Taliban in Afghanistan oder die Zerstörung antiker Tempel in Palmyra zum „performativen Ikonoklasmus" radikaler Gruppen gehöre. Der IS und andere Fundamentalisten nutzten dabei auch die Möglichkeiten der modernen Medien-Welt, indem sie ihre Taten als Demonstration ihrer Macht filmten.

Dass diese Gruppen auch versuchten, wertvolles Kulturgut auf dem internationalen Kunstmarkt zu verkaufen, verwundert Parzinger nicht: „Es gibt offenbar einen grauen Markt weltweit, der diese Plünderungen am Laufen hält."

Besorgt zeigt sich Parzinger über die Versuche von Aktivisten in der westlichen Welt, Denkmäler umstrittener Personen abzureißen. „Eine gerechte Zerstörung kann es nicht geben", meint Parzinger. Zwar sei eine Debatte über den Sinn mancher Denkmäler produktiv, doch wendet er sich gegen eigenmächtige Aktionen: „Das bedarf einer öffentlichen Diskussion und eines gewissen Konsens der Gemeinschaft."

Hermann Parzinger ist Prähistoriker und Archäologe. Seit 2008 leitet er die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Sein neues Buch „Verdammt und vernichtet: Kulturzerstörungen vom Alten Orient bis zur Gegenwart" erscheint am 18. März bei C.H.Beck.

Gespräch Hermann Parzinger will Stiftung Preußischer Kulturbesitz reformieren

Nach dem Gutachten des deutschen Wissenschaftsrates, soll die Stiftung Preußischer Kulturbesitz grundlegend neu geordnet und reformiert werden. Doch es gebe dazu noch viele offene Fragen die weitreichend sind, sagt nun der Direktor der Stiftung Prof. Hermann Parzinger im Gespräch mit SWR2. So soll die Dachstruktur der Stiftung aufgelöst und in vier eigenständige Organisationen überführt werden. Die spartenübergreifende Arbeit gehe damit jedoch verloren, meint Parzinger, denn nun würde die Institution in Spartenbereiche unterteilt, die einem Verständnis des 19. Jahrhunderts entstammten: Museum, Archiv und Bibliothek. Dabei sei gerade im digitalen Zeitalter eigentlich das Stichwort "Vernetzung" von Bedeutung. Die Folgen der Neustrukturierung müssten also noch grundsätzlich durchdacht und diskutiert werden, so Parzinger zu den Reformplänen.  mehr...

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