Gespräch

Daniel Schulz' Roman „Wir waren wie Brüder“ —„Die 90er waren ein barbarisches Jahrzehnt“

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INTERVIEW
Marie Gediehn

In seinem Roman „Wir waren wie Brüder“ erzählt der Autor und Journalist Daniel Schulz eine Jugendgeschichte mit vielen autobiografischen Einflüssen: Sein Protagonist wächst in einem kleinen Ort in Ostdeutschland auf und trifft dabei Weggefährten die heute in vielen verschiedenen Szenen aktiv sind: links, rechts, Querdenker.

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Anhand seiner Charaktere wolle er das Erstarken der rechten Szene in den Neunziger Jahren nachzeichnen, sagt Daniel Schulz in SWR2. Dabei erlebt sein Protagonist eine weit verbreitete, alltägliche Gewalt von Jugendlichen. Die seien in rechten Cliquen organisiert gewesen und hätten — je nach Tages- und Nachtzeit — bestimmte Landstriche komplett unter ihrer Kontrolle gehabt.

„Die Neunziger Jahre sind ein Jahrzehnt, das für viele Deutsche lange Zeit mit positiven Begriffen wie der Loveparade als ein gutes Jahrzehnt gesehen wurden, in dem es viele Freiheiten gab“, gibt Schulz zu bedenken — „was oft nicht beschrieben wurde, sind die Gegenwelten dieser Freiheiten. Dass sich nicht nur positive Dinge ausgebreitet haben, sondern auch Rechtsextreme und ihre Ansichten.“

Strukturell wichtig, so Schulz, für die Sozialisierung von jungen Menschen sei nach wie vor, ob es auch Orte gibt, an denen Faschisten nicht sind. Vereine oder Jugendzentren, in denen ihnen kein Raum gegeben wird und in denen ein junger Mensch ein alternatives Leben leben könne.

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Piper Verlag, 224 Seiten, 22 Euro
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