Die 2. Stuttgarter Zukunftsrede mit dem chinesischen Schriftsteller und Bürgerrechtler Liao Yiwu

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AUTOR/IN
Silke Arning

Er ist als wortgewaltiger Kritiker und Beobachter der politischen wie gesellschaftlichen Verhältnisse in China bekannt: Liao Yiwu, der wegen eines Gedichts für viele Jahre inhaftiert wurde und in chinesischen Straflagern verschwand.

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Seitdem setzt sich der Schriftsteller und Bürgerrechtler, der inzwischen in Berlin im Exil lebt, in seiner Literatur für die Entrechteten seines Landes ein. In aktuell schwierigen Zeiten war der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels eingeladen, um in Stuttgart die 2. Zukunftsrede zu halten.

Nachdem die Premiere der Stuttgarter Zukunftsrede vor zwei Jahren noch online stattfand, war die Veranstaltung im Stuttgarter Rathaus bis auf den letzten Platz besetzt.

Literatur Liao Yiwu und die Wirklichkeit von Wuhan: Ein Roman über Chinas Scheinerfolge in der Pandemie

Mit seinem Dokumentar-Roman „Wuhan“ liefert der Schriftsteller Liao Yiwu eine packende Gegenerzählung zur erfolgreichen Pandemie-Bekämpfung in China und damit zum offiziellen Narrativ der Staatsführung um Präsident Xi Jinping. Es ist ein überbordendes, wildes, packendes Dokument des Geschehens, das vollständig auf Fakten basiert. Denn unmittelbar nach Ausbruch des Virus im November 2019 stand 20 Tage lang noch eine Flut von Informationen online zur Verfügung. Liao Yiwu kopierte, was immer er fand, bevor Chinas Netzpolizei diese Lücke freier Rede schließen konnte. Seine Romanfigur Ai Ding durchlebt Elend, Repression und das ganze absurde Theater der Null-Covid-Politik im totalitären Regime: Dörfer und Mega-Cities sind abgeriegelt, Millionen Menschen im Stich gelassen. Wasser, Lebensmittel, medizinische Versorgung - alles fehlt. Viele hungern. Ein Roman, der sich auch an den Westen richtet, der die Opfer der die Opfer der chinesischen Staatspolitik ignoriert und die Null-Covid-Politik als Erfolg betrachtet.

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Gespräch Liao Yiwu – Wuhan | Dokumentarroman

Am 23. Januar 2020 – vor genau zwei Jahren – ging die Stadt Wuhan in den Lockdown. Eine neue Atemwegserkrankung war ausgebrochen, die zunächst vertuscht und dann SARS-CoV2 genannt wurde. Kam sie wirklich – wie schnell behauptet wurde – von einem Wildtiermarkt? Oder doch aus dem nahegelegenen Hochsicherheitslabor, das just zu diesen hochgefährlichen Fledermaus-Viren forscht? Klären konnte dies nicht einmal die WHO, denn China gibt wenig preis.
Es ist genau diese chinesische Vertuschungspolitik, die den in Berlin lebenden Autor Liao Yiwu umtreibt. In seinem neuen Roman „Wuhan“ versucht er, in einem Mix aus fiktiver Heimreise und faktischer Internetrecherche etwas Licht in die Sache zu bringen. Mit seinem „Dokumentarroman“ hat er einen Literaturhybrid erfunden, der zwischen barockem Schelmenroman, journalistischer Fernrecherche und politischer Warnung oszilliert.
Katharina Borchardt im Gespräch mit Isabella Arcucci.
Aus dem Chinesischen von Brigitte Höhenrieder und Hans Peter Hoffmann
Verlag S. Fischer, 352 Seiten, 24 Euro
ISBN: 978-3-10-397105-7

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Gespräch Vom Übersetzen aus dem Chinesischen - Hans Peter Hoffmann

Man kennt den chinesischen Schriftsteller und Friedenspreisträger Liao Yiwu, aber kaum einer weiß, wer hinter den deutschen Fassungen seiner Bücher steckt: Hans Peter Hoffmann. 

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Silke Arning