Gespräch

Modeexpertin Barbara Vinken: Deutschland braucht mehr Federboa und weniger Regenjacke

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Kristine Harthauer

Harry Styles trägt Perlen, Brad Pitt einen Rock: In der Mode verschwimmen die Grenzen zwischen den eingeübten Geschlechterrollen. „Ich glaube, dass die Mode ihren Reiz aus diesem Cross-Dressing zieht“, sagt die Modetheoretikerin Barbara Vinken in SWR2. Für den Kleidungsstil der Deutschen wünsche sie sich mehr Extravaganz.

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Deutsche tragen lieber Funktionskleidung

In ihrem neuen Buch untersucht Barbara Vinken die „Mode als das Spiel zwischen Geschlechtern und Identitäten.“ Durch das Cross-Dressing entstehe Freiheit, da man sich nicht auf die Natur festlege.

Doch obwohl manche Stars nun Rock tragen, sei in Deutschland Funktionskleidung nach wie vor beliebt, sagt Vinken. Damit bringe man zum Ausdruck, dass man „keinen Gedanken an die Kleidung verschwendet, die man trägt, außer, dass sie funktional ist. Das ist nicht ästhetisch, sondern technisch.“

Das sei schade, sagt die Münchner Professorin Vinken. Sie wünsche sich im deutschen Alltag mehr Extravaganz: „Ich habe es lieber, wenn die Menschen interessant gekleidet sind. Aber das ist natürlich Geschmackssache.“

Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Genderfluide Mode: Männer mit Röcken und Perlenketten als Zeichen des Identitätswandels?

Erst waren es Pastelltöne und lackierte Fingernägel, zunehmend eigenen sich Männer auch Perlenketten und Röcke an. Längst nicht mehr nur Brad Pitt und Lars Eidinger tragen Kleider, die früher alleine Frauen vorbehalten waren - und das wirkt in die Gesellschaft.

Und auch Harry Styles - eines der Role-Models der Generation Z - singt klar: „Ihr wisst, es ist nicht mehr so, wie es war.“ Gerade bei den ganz Jungen herrscht ein viel weicheres und fluideres Männlichkeitsbild vor als wir es gewohnt sind, sagt Carl Tillessen, Trendanalyst vom Deutschen Mode-Institut: „Das ist etwas, was diese Generation wirklich mit in die nächsten Jahrzehnte hineintragen wird.“

Allerdings ist dieses fluide Männlichkeitsbild noch längst kein Massenphänomen, sagt die Kunsthistorikern Anne Söll: „Solange Herr Habeck nicht mit lackierten Fingernägeln in den Tagesthemen auftritt, haben wir hier es mit keinerlei großem Wandel zu tun.“

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