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Der Erfinder des Sams schreibt ein Buch für Erwachsene

Mit 82 Jahren hat Paul Maar nicht nur einen neuen Band in der Sams-Reihe - „Das Sams und der blaue Drache“ - vorgelegt und illustriert, sondern er hat auch seine Biografie mit dem Titel "Wie alles kam - Roman meiner Kindheit“ geschrieben.

Außerdem hat der erfolgreiche Schriftsteller für die Rubrik „Mein Leben in drei Büchern“ Lawrence Sternes „Tristram Shandy“, Mark Twains „Tom Sawyer“ und Arno Schmidt „Seelandschaft mit Pocahontas“ mitgebracht und erzählt, welche Rolle diese Bücher in seinem Leben gespielt haben.

Wie alles kam

Es ist sein erstes Buch für Erwachsene. Paul Maar, ermuntert durch seinen Sohn, begann seine eigene Geschichte zu schreiben, als er nach einer Herz OP in der Reha war. Denis Scheck fragt ihn, ob es zwischen dem Schreiben für Kinder und dem Schreiben für Erwachsene einen Unterschied gibt.

Paul Maar reflektiert seinen Werdegang, erzählt von seiner eigenen, nicht immer heiteren Kindheit während und nach dem Krieg, seine hochproblematische Beziehung zu seinem gewalttätigem Vater, mit dem es bis zu dessen Tod keine Versöhnung gab und von der Kraft der Bücher.

Sehr anrührend schreibt er von der Liebe zu seiner Frau Nele, die immer seine erste Leserin war, die mit ihm seine Bücher ins Englische übersetzte und die seit fünf Jahren an Alzheimer erkrankt ist.
Eindringlich schildert Paul Maar in seinem Buch auch, dass er in der Schule lange Zeit ein Außenseiter war und welche Rettung für ihn das Lesen bedeutete, obwohl er in einem Haus ohne Bücher aufwuchs.

„Mein Vater hat mir meistens das Lesen verboten.  … Ich habe deshalb heimlich gelesen – auf der Toilette.“

Paul Maar in der Sendung "lesenswert"

 „Das Sams und der blaue Drache“

…heißt der neue Band in der Sams-Reihe, den Paul Maar im Juli fertig gestellt hat. Das Buch erscheint im Oetinger Verlag und wird für Kinder ab 7 Jahren empfohlen: Das Sams langweilt sich den ganzen Tag. Es beobachtet, wie Kinder ihren Drachen steigen lassen und hätte auch gerne einen. Ausnahmsweise benutzt das Sams deshalb die verbotene Wunschmaschine und plötzlich steht ein blauer Drache vor ihm….

Paul Maar stellt vor: "Mein Leben in drei Büchern"

Lawrence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
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Tristram Shandy“ ist einzigartig in der Literaturgeschichte: der neunbändige Roman erschien in den Jahren 1759 und 1767. Zu dieser Zeit ist der Roman als Gattung noch gar nicht etabliert und definiert. Tristram Shandy erzählt seine Lebensgeschichte, hält sich jedoch an keine Chronologie und ist ein Meister der Abschweifung.

Paul Maar bekannte einmal in einem Interview, dass er den „Tristram Shandy“ so sehr liebe, dass er ihn „beklaut“ habe: Sein Herr Dörrlein in „Onkel Florians fliegender Flohmarkt“ sei von Sternes Onkel Toby beeinflusst, der beim Erzählen immer vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt und der, statt eine Geschichte zu Ende zu bringen, stets sieben andere erzähle.

Mark Twain: Die Abenteuer von Tom Sawyer
Paul Maars erste große Liebe hieß Catarina aus der Rhönstraße. Diese Kinder galten als „Schmuddelkinder“, mit denen nicht gespielt werden durfte. Catarina las „Pippi Langstrumpf“ und besorgte ihm von ihrem Bruder den „Tom Sawyer“. Dieses Buch wird für Paul Maar zum großen Trostspender, nachdem sein Vater die zarten Bande zwischen den beiden zerstört hatte.

Arno Schmidt: Seelandschaft mit Pocahontas
Arno Schmidts Kurzroman erschien 1955 zunächst in einer Ausgabe der Zeitschrift „Texte und Zeichen“, herausgegeben von Alfred Andersch im Luchterhand Verlag. Sowohl Herausgeber als auch Verleger erhielten eine Strafanzeige wegen Gotteslästerung und Pornografie. Eine Veröffentlichung des Romans wurde deshalb zunächst abgelehnt.

Paul Maar hat „Pocahontas“ in seinen 20er Jahren gelesen. Damals wurde nicht sehr offen über Sexualität geschrieben – Arno Schmidt war eine Ausnahme.

Paul Maar erzählt eine Anekdote: Er habe aus „Pocahontas“ und anderen Erzählungen Schmidts 10 Zitate herausgesucht, die sich doppelten, und an Arno Schmidt, bzw. dessen Verlag geschrieben, um den großartigen Schriftsteller darauf aufmerksam zu machen. Er habe vermutet, dass Arno Schmidt einen Zettelkasten mit Zitaten habe und dem Schriftsteller vorgeschlagen, immer, wenn er ein Zitat daraus verwende, dieses nicht mehr in den Kasten zurück zu legen, um diese Doppelungen zu vermeiden.

Der Autor:

Der Schriftsteller Paul Maar ist ein großer Geschichtenerzähler und genialer Figurenerfinder, ein Meister im Wortverdrehen und ein wunderbarer Zeichner. „Der tätowierte Hund“ hieß sein erstes Kinderbuch, das 1968 im Oetinger Verlag erschien. Seine bekannteste Figur ist das Sams, das 1973 mit seinen roten Wuschelhaaren und den blauen Wunschpunkten im Gesicht in Erscheinung trat: „Eine Woche voller Samstagstage“. Neben seinen Kinderbüchern fand Paul Maar weite Beachtung für seine Drehbücher und Theaterstücke. Das Sams eroberte auch die Kinoleinwand mit drei Filmen, an denen Paul Maar mitwirkte.  Zu seinen vielen Auszeichnungen zählen der deutsche Jugendliteraturpreis, der E.T.A. Hoffmann-Preis und das Bundesverdienstkreuz.

Paul Maar lebt mit seiner Frau Nele in Bamberg. Sein Sohn, Michael Maar, ist ein bekannter Literaturwissenschaftler und Essayist. Er hat noch zwei Töchter. Eine Tochter ist Anne Maar, die ebenfalls Kinderbücher schreibt.

Alice Scharzer

Sie ist eine lebende Legende: Die Verlegerin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat dieses Jahr ihr „Lebenswerk“ herausgebracht. Anders als im 2011 veröffentlichten Buch „Lebenslauf“, in dem sie die Anfänge ihrer Biographie als Kind und Jugendliche und ihre Karriere als Journalistin schilderte, blickt sie in ihrem neuen Buch auf die großen Fragen ihres Lebens.

Sie erzählt Denis Scheck von ihren Kämpfen für die Rechte der Frau, als Pionierin der deutschen Frauenbewegung in den 1970er Jahren, ihre Aktion „Frauen gegen den §218, die Gründung der ersten feministischen Zeitschrift „EMMA“ bis zu den Debatten um #MeToo, von ihrer Arbeit aus 50 Jahren politischer Meinungsbildung, die viele Menschen geprägt hat. Und von ihrem Blick in die Zukunft.

„Für mich bedeutet Feminismus, die Welt in dem Bewusstsein sehen, dass sie, ob man will oder nicht, für Frauen eine andere ist als für Männer.“

Alice Schwarzer in der Sendung „lesenswert“

Die Autorin:

Alice Schwarzer wurde 1942 in Wuppertal geboren. Sie war die Tochter einer ledigen Mutter und wuchs mit den Großeltern auf. Ihnen hat sie beide Teile ihrer Autobiografie gewidmet: ihrem Großvater verdanke sie ihr Leben, erzählt sie in "lesenswert", da er sie aus dem Kinderheim bei Pforzheim geholt habe, in das sie nach der Bombardierung der Stadt evakuiert wurde. Als die Großeltern eine Bleibe auf einem fränkischen Bauernhof gefunden hatten, holte der Großvater das Kind. Das Kinderheim wurde kurz darauf bei einem Bombenangriff zerstört.

Alice Schwarzer studierte in Paris Psychologie und Soziologie, kehrte 1966 nach Deutschland zurück und schlug eine journalistische Laufbahn ein. 1969 ging sie wieder nach Paris, wurde freie Korrespondentin für Print, TV und Funk. Sie interviewte Jean Paul Sartre und machte ein TV-Porträt über Simone de Beauvoir. Sie engagierte sich in der Pariser Frauenbewegung und sie initiierte 1971 den Artikel „Ich habe abgetrieben“, der eine breite Kampagne gegen das Abtreibungsverbot des § 218 StGB auslöste. 1971 erschien ihr erstes Buch „Frauen gegen den § 218“. 1974 arbeitete sie in der Panorama-Redaktion des WDR und hatte einen Lehrauftrag an der Uni Münster.

Schlagartig bekannt wurde Alice Schwarzer durch die legendäre TV-Diskussion mit Esther Vilar, einer antifeministischen Autorin (Buch: „Der dressierte Mann“). Schwarzer wurde zum Kopf der deutschen Emanzipationsbewegung. Sie gründete einen Verlag und gab die einzige politische Frauenzeitschrift heraus, die bis heute existiert: 1977 erschien die erste EMMA.

Alice Schwarzer war streitlustig und streitbar und scheute kein Thema. 2007 rechnete Sie mit dem Buch „Die Antwort“ mit der jüngeren Frauen-Generation ab, die sie für ihre eigene Überforderung mitverantwortlich machte.

Alice Schwarzer erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise: u.v.a. wurde sie 1997 „Frau des Jahres“, erhielt 2003 den Preis für Zivilcourage des Berliner Christopher Street Days, ist seit 2004 Ritter der französischen Ehrenlegion und hat das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2005).

Literatur „Wie alles kam“: Paul Maar über seine Kindheit und eine neue Sams-Geschichte

Das Sams hat einen neuen Freund bekommen. Die Wunschmaschine hat ihm einen kleinen, Feuer speienden Drachen beschert. Das neue Kinderbuch „Das Sams und der blaue Drache“ hat Paul Maar wieder selbst illustriert, der in einem zweiten Buch, einem Kindheitsroman, auf Kriegs- und frühe Nachkriegsjahre zurückblickt. „Wie alles kam“ erzählt von glücklichen Kinderjahren auf dem Land, von prägenden Schulerlebnissen in der Stadt und von einer traumatischen Vater-Sohn-Beziehung.  mehr...

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Buchkritik Paul Maar - Wie alles kam

Der große Kinderbuchautor Paul Maar wendet sich mit seinen Erinnerungen nun auch an eine erwachsene Leserschaft: „Wie alles kam“ ist eine berührende Vater-Sohn-Geschichte und zugleich ein eindringliches Porträt der deutschen Provinz in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren. Wer es liest, der versteht, warum Paul Maar das Sams erfinden musste.
Rezension von Anja Höfer.

S.Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-397038-8
304 Seiten
22 Euro  mehr...

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Beitrag Körperklischees in angelsächsischen Romanen

Neue Studie der amerikanischen Datenjournalistin Erin Davis. Angelsächsische Bücher sind voller Gender-Klischees, wenn männliche oder weibliche Körper beschrieben werden. Dies zeigt Erin Davis in einer umfangreichen graphischen Auswertung.
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