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Cover des Romans Takis Würger

Warum wird dieser Roman von der Kritik verrissen? Die Debatte um den Roman „Stella“ von Takis Würger

Warum ist „Stella“ Kitsch? Wie hängen Ästhetik und Moral zusammen? Warum gibt es einen juristischen Streit?

In dem Roman „Stella“ von Takis Würger geht es um die Geschichte der historischen Person Stella Goldschlag. Sie wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als Jüdin gefoltert und erpresst. Als sogenannte „Greiferin“ hat sie dann Hunderte Jüdinnen und Juden denunziert, was für die meisten den Tod bedeutete. Der Roman wird von der Kritik nahezu einhellig scharf kritisiert. Der Hauptvorwurf: Ein literarisch misslungener Text instrumentalisiert eine mit dem Holocaust verbundene Geschichte ohne historisches Bewusstsein zu Unterhaltungszwecken.

Takis Würger im SWR2-Gespräch

Im SWR2 lesenswert Gespräch im SWR Funkhaus Mainz sprach Takis Würger über seinen umstrittenen Roman „Stella“.


Ist Takis Würgers Roman Kitsch?

SWR2 Literaturredakteur Carsten Otte über die Grenzen des guten Geschmacks in der Literatur.


Ist Stella „nur“ ein Roman?

Julia Schröder

Literaturkritikerin Julia Schröder

„Ich wollte mit meinem Roman „Stella“ eine fiktive Geschichte schreiben, die berührend genug ist, dass die Leser sie zu Ende lesen, und ich wollte damit klar machen, wie grausam, boshaft und perfide das Nazi-Regime war“, sagte Würger am 24.1. in einem dpa-Interview.

Im Gespräch mit SWR2 Literaturredakteur Carsten Otte widerspricht Literaturkritikerin Julia Schröder. Der Autor habe seinen Text dokumentarisch aufgeladen und beanspruche vor allem im Nachwort und durch bestimmte Figuren den „Segen der Überlebenden“.

Geht der Roman leichtfertig mit historischen Fakten um?

Es gebe extrem stereotype Figuren und arge Geschichtsklitterungen, in denen historische Fakten mit Erzählelementen leichtfertig vermischt würden. "Takis Würger hat wie so ein Spielkind ein paar Bauklötze genommen, auf denen „Nazis“ oder „Shoah“ draufsteht und damit irgendwas gebaut", sagt Julia Schröder.

14:20 min | So, 3.2.2019 | 17:05 Uhr | SWR2 Lesenswert Magazin | SWR2

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Die Literaturkritikerin Julia Schröder über „Stella“ von Takis Würger

Carsten Otte im Gespräch mit Julia Schröder, Roman, Stella, Takis Würger, Nationalsozialismus

Takis Würger macht in seinem Roman "Stella" aus der Geschichte der Jüdin Stella Goldschlag, die als sogenannte Greiferin viele hundert Menschen an die SS verraten hat, einen sprachlich wie inhaltlich wenig ambitionierten Text, der sich in den Kitschvorwurf gefallen lassen muss.| Hanser Verlag, 224 Seiten, 22 Euro.| Carsten Otte im Gespräch mit Julia Schröder.

Die Darstellung des Holocaust in fiktionalen Texten hat sich verändert

SWR Literaturchef Frank Hertweck sieht in dem Roman von Takis Würger ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie sich die Darstellung des Holocaust in fiktionalen Texten verändert habe. Bücher wie „Roman eines Schicksallosen“ (1975) von Imre Kertész, „Die große Reise“ (1963) von Jorge Semprún oder „Weiter leben“ (1992) von Ruth Klüger seinen ästhetisch starke Texte von Opfern und Zeitzeugen. „Nun erleben wir eine Entwicklung hin zu einer Nachlässigkeit, für die Takis Würger steht“, meint Frank Hertweck.


Muss der Verkauf des Romans juristisch gestoppt werden?

Der Autor und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik äußert sich im SWR2 Interview auch zu den juristischen Konsequenzen des Romans. Die Erben der Persönlichkeitsrechte der Stella Goldschlag wollen den Hanser Verlag dazu verpflichten, Passagen im Roman zu schwärzen. Die Abwägung zwischen den Persönlichkeitsrechten des Einzelnen und der allgemeinen Freiheit der Kunst sei auch im vorliegenden Fall äußerst schwierig, sagt Micha Brumlik.

Zunächst sei es darauf angekommen, so Brumlik, „auf den Skandal hinzuweisen, dass eine dermaßen tragische Geschichte wie die von Stella Goldschlag zu billigem kulturindustriellem Kitsch“ gemacht worden sei. Auch eine populäre aufklärerische Wirkung über die Zeit des Nationalsozialismus sieht Brumlik nicht.