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In der Frankfurter Poetik-Vorlesung, die dieses Jahr im Internet stattfinden muss, widmet sich die Gegenwartspoetin Monika Rinck Vorhersagen in der Poesie. Vorhersagen scheinen ein urmenschliches Bedürfnis, ob aus tierischen Eingeweiden abgeleitet oder aus dem Betrachten von Corona-Infektionskurven im Netz. Der Mensch fügt den Informationen beinahe automatisch eine tiefere Bedeutungsebene hinzu – ähnlich der Schriftstellerin Rinck, die eine Vorlesung über Poesie hält, die zu einem Gutteil selbst aus Poesie besteht.

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Im ersten Teil der Vorlesung, am 17.11., erklärt sie, dass schon die Weissagungen des Orakels von Delphi eigentlich Poesie waren. Eingehend beschreibt Rinck den Ablauf der kultischen Zeremonie im apollinischen Tempel. In der Extase, so beruft sie sich auf Althistoriker Kai Trampedach, sprechen die griechischen Orakelmedien die Sprache der Götter, die sich von der gewöhnlichen Sprache der Menschen unterscheidet: kein unzusammenhängendes und unartikuliertes Gebrabbel, sondern Poesie – es kommt nur darauf an, sie richtig zu deuten.

Wenn wir einen Blick in die Zukunft wagen wollen, sind wir darauf angewiesen, Zeichen richtig zu deuten; unseren Poet*innen zu lauschen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das macht Lust auf die Fortsetzung dieser digitalen Frankfurter Poetikvorlesung, wo Monika Rinck angekündigt hat, über die Zukunft zu sprechen. Die nächsten Termine sind am 24.11. und 1.12.2020.

Gespräch Wenn Maschinen dichten - der Gedichtband „Poesie.Exe“ mit Gedichten einer künstlichen Intelligenz

„Poesie.Exe.“ heißt ein Gedichtband, den der Autor Fabian Navarro herausgegeben hat, ein Band, der neben Gedichten von echten Autor*innen auch Texte enthält, die mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sind. Wir seien täglich von Maschinen umgeben und es werden Texte über Maschinen geschrieben, aber wir setzen und selten mit der Frage auseinander, ob Maschinen selbst auch dichten können, meint Fabian Navarro. Er finde es sehr interessant, wenn eine KI Gedichte schreibt. Sein Projekt sei ursprünglich aus einer Angst vor der Entwicklung von KI entstanden, aber aus dieser Angst sei mittlerweile eine Faszination geworden. Eine gewisse Angst vor künstlicher Intelligenz sei gewiss berechtigt, sie dürfe aber nicht dazu führen, dass man sich nicht mit dieser Entwicklung beschäftigt. Das sei am Ende viel gefährlicher als künstliche Intelligenz selbst.  mehr...

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