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Noch heute könne man von Astrid Lindgren lernen, den Eigenwert von Kinderliteratur nicht zu unterschätzen, so der Kinder- und Jugendliteraturwissenschaftler Sebastian Schmideler in SWR2 anlässlich des 75. Geburtstags von „Pippi Langstrumpf“.

Es gebe nichts, „was das Buch als Wurzelboden der Phantasie ersetzen kann“, habe die Schriftstellerin gesagt. Dafür sei „Pippi Langstrumpf“ ein wichtiges Beispiel. Die Bücher hätten maßgeblich dazu beigetragen, den „Eigenwert des gedruckten Buchs, des Lesens“ zu entfalten.

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Pippi Langstrumpf und Winnie Puh: Kinderliteratur erhält einen eigenen Wert

So habe Friedrich Oetinger als Verleger nach dem Krieg „Pippi Langstrumpf“ als einen Neuanfang der Kinderliteratur als phantastischer Literatur inszeniert, mit jungen, internationalen Autoren als Antwort auf den Nationalsozialismus. Auch für die Verlagsgeschichte sei das von großer Bedeutung gewesen, so Schmideler. James Krüss habe seine Kinderbücher wegen dieser Ausrichtung von vornherein nur bei Oetinger verlegen wollen.

Letztlich habe der Verlag damit eine Tradition fortgeführt, die Edith Jacobson schon in den 20er Jahren mit deutschen Ausgaben von „Winnie Puh“ und „Dr. Dolittle“ verfolgt und die britische Phantastik nach Deutschland gebracht habe. Kinderliteratur habe so zum ersten Mal einen eigenen literarischen Wert für sich beansprucht.

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Widerstand der Nachkriegspädagogik gegen Pippi Langstrumpf

Entsprechend hätten Kinder auch sehr schnell begonnen, „Pippi Langstrumpf“ zu lesen. „Aber es gab kräftig Widerstand, und zwar von seiten der Pädagogik, die damals noch der Gralshüter der Kinderliteratur war“, so Schmideler, Ausdruck einer Kontinuität, die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lasse, als Kinderbücher ohnehin noch als Instrument der Pädagogik gegolten hätten, mit starker Tendenz zur Belehrung.

Mindestens drei Jahre habe der Widerstand gegen „Pippi“ angedauert. Unter anderem habe sich damals ein Bibliotheksdienst geweigert, das Buch zu kaufen.

Der Erziehungswissenschaftler Sebastian Schmideler von der Universität Leipzig befasst sich mit der Bildsprache und der Geschichte von Kinder- und Jugendliteratur. Anlässlich des Geburtstags von Astrid Lindgrens Tochter Karin Nyman am 21. Mai erinnern Verlage weltweit in diesen Tagen an das Erscheinen des ersten Pippi-Langstrumpf-Buchs vor gut 75 Jahren. Angeblich war es Karin Nyman selbst, die sich im Alter von sieben Jahren den Namen „Pippi Langstrumpf“ ausgedacht hat.

Zeitwort 25.9.1949: „Pippi Langstrumpf“ erscheint erstmals auf Deutsch

Heute hat Pippi schon wieder Geburtstag. Am 25.9.1949 ist das erste Buch „Pippi Langstrumpf“ auf Deutsch erschienen.
Sie ist schlagfertig und liebenswert, aufmüpfig und abenteuerlustig – und altert kein bisschen.  mehr...

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Pippi Langstrumpf trifft Karlsson vom Dach Astrid Lindgren zum 110. Geburtstag

Zwei Klassiker der Kinderliteratur: Pippi Langstrumpf und Karlsson vom Dach.
Die Schriftsteller Ulrike Draesner und John von Düffel sprechen über Freundschaft, Freiheit und Komik im Werk von Astrid Lindgren.
Gesprächsleitung: Anja Brockert
(Veranstaltung vom 25.09.2017 im Literaturhaus Stuttgart)  mehr...

SWR2 Wissen: Feature am Feiertag SWR2

Klassiker der Schullektüre Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf und Karlsson vom Dach

Die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren erzählt in ihren Geschichten auf einzigartige Weise von Mut und Widerstand, von Liebe und Hoffnung. Ulrike Draesner und John von Düffel im Gespräch mit Anja Brockert am 25. September 2017 im Literaturhaus Stuttgart. Mit einer poetischen Performance von Timo Brunke.  mehr...

Schecks Bücher | Folge 01 Astrid Lindgren: Karlsson vom Dach

In der ersten Episode seines Literaturkanons stellt Denis Scheck einen Klassiker einer Autorin vor, die zu Beginn vieler Leserbiographien steht: Astrid Lindgrens "Karlsson vom Dach". Er zeigt dabei, wie anarchistischer Humor - neben vielen anderen Vorzügen - einen Text zur Weltliteratur qualifiziert, der für Leserinnen und Leser jeden Alters relevant ist.  mehr...

Gespräch Kinderbuchverleger Hans-Joachim Gelberg gestorben

Leuchtend orange sind sie und sie sollten von Anfang an keine schönen Bücher sein, sondern Bücher zum Anfassen, zum Lesen, auch mal in die Ecke schmeißen - Bücher für Kinder eben.1971 begründete Hans- Joachim Gelberg mit den orangenen Büchern das Kinderbuchprogramm von Beltz und Gelberg. Die Coverfarbe war das Aufbruchssignal für eine aufmüpfige, emanzipatorische, inhaltlich und gestalterisch wagemutige Literatur für den Nachwuchs. Und Gelberg ,der Verleger , entdeckte für die erfolgreiche Reihe Autoren und Autorinnen, die später zu den bekanntesten der Republik gehörten : Mirjam Pressler z.B. oder Peter Härtling. Jetzt ist der Pionier einer neuen Kinderliteratur 89jährig in Weinheim gestorben.  mehr...

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