Literatur

Cihan Acar erhält Thaddäus-Troll-Preis für seinen Debütroman „Hawaii“

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Arning Silke

Hawaii liegt längst nicht nur im Pazifik, sondern auch in Heilbronn. Das Problemviertel der Stadt hat seit dem Debütroman von Cihan Acar Karriere gemacht. Für seinen Roman wird Acar am 29. November in Stuttgart mit dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet, der vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg verliehen wird.

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Cihan Acar will ein anderes Heilbronn sichtbar machen

Erzählt wird die Geschichte des deutsch-türkischen Kemal, der eigentlich als Fußballprofi Karriere in der Türkei machen will. Doch der Plan geht schief. Wieder zurück in Heilbronn, begleiten wir diesen Kemal vier intensive Tage auf der Suche nach einem Neuanfang.

Der fußballbegeisterte Autor Cihan Acar, der in der Nähe von Heilbronn geboren ist, hat selbst nie im Problemviertel Hawaii gelebt, kennt aber die früher vor allem durch Drogen und Bandenkrieg berühmt berüchtigte Szene aus vielen Geschichten und Erzählungen.

Wettbüros, Clubs, Spielhallen, türkische Bars und Einkaufszentren werden zum Schauplatz seines Romans, mit dem er ganz bewusst ein anderes Heilbronn sichtbar machen will: „Heilbronn hat bis jetzt eher so einen biederen Ruf und gilt auch als – ich muss es leider sagen – hässliche Stadt. Man hört es auch oft genug von den Einwohnern selbst, wenn man dort aufwächst“, sagt Acar.

Er habe sich an Geschichten wie der Serie „Breaking Bad“ orientiert, die in dem weitestgehend unbekannten Ort Albuquerque spielt. „Wenn man diese ganze Serie einmal durchgeschaut hat, würde man am liebsten einen Tag danach nach Albuquerque reisen und sich die ganzen Orte und Schauplätze anschauen. Und so habe ich das auch versucht, Heilbronn durch eine interessante Geschichte interessant wirken zu lassen.“

Die Stadt als vielschichtiger Tummelplatz

Die Stadt wird so zum Tummelplatz vieler verschiedener Milieus, die Cihan Acar mit feinem Gespür für Dialekte, Szene-Slang und Humor lebendig werden lässt. Kriminalität, Rassismus und Nationalismus unter der deutschen Bevölkerung wie in der deutsch-türkischen Community – das sind jedoch Themen, die in diesem Roman weit über Heilbronn hinausreichen.

„Meine persönliche Erfahrung ist, dass auf beiden Seiten – ob es nun die deutsche Mehrheitsgesellschaft ist oder auch die migrantischen Gruppen – vorausgesetzt wird, dass man sich für eine Gruppe entscheidet. Also man sollte nur eine Identität im besten Falle haben. Ich habe das nie so richtig eingesehen, weil ich denke, gerade in der modernen Welt heutzutage ist Identität ein so komplexer Begriff, der kann sich aus ganz verschiedenen Einflüssen, aus ganz verschiedenen Hintergründen zusammensetzen.“

Gespräch Heimat und Heimatlosigkeit. Cihan Acars Debütroman über Menschen im Heilbronner Viertel Hawaii

Hawaii wird ein multikulturelles Viertel in Heilbronn genannt, das als sozialer Brennpunkt gilt. "Hawaii" heißt der erste Roman des angehenden Juristen Cihan Acar, der 1986 bei Heilbronn geboren wurde und das Viertel gut kennt.

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Gespräch Cihan Acar - Hawaii

Kemal hat Mist gebaut: Bei einem illegalen Autorennen hatte er einen Unfall. Mit der Karriere als Profifußballer in der Türkei ist es vorbei. Deshalb kehrt Kemal in seine Heimatstadt Heilbronn zurück, besucht Eltern und Freunde, geht in die Moschee und in die Disco – und sucht nach Plan B. Cihan Acar erzählt in „Hawaii“ die anrührende Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes: ein überraschend humorvoller Text und zugleich eine Liebeserklärung an die Stadt Heilbronn.
Der Autor Cihan Acar im Gespräch über seinen Roman „Hawaii“!

Verlag Hanser Berlin
ISBN 978-3-446-26586-8
256 Seiten
22 Euro

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