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Der österreichische Erzähler Christoph Ransmayr zählt nach Büchern wie „Atlas eines ängstlichen Mannes“ oder „Cox“ zu den ganz Großen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. „Der Fallmeister“ heißt sein neuer Roman, dem er den Untertitel „Eine kurze Geschichte vom Töten“ gegeben hat.

Die Schriftstellerin Ines Geipel, ausgezeichnet mit dem Lessing-Preis für Kritik und Gast im „lesenswert“ Quartett, stellt das Buch vor. Insa Wilke und Ijoma Mangold waren nicht ganz so euphorisch wie Denis Scheck:

„Vom ersten Satz an hat mich Christoph Ransmayr, der große Sprachmagier, in den Bann geschlagen.“

Denis Scheck in der Sendung "lesenswert" Quartett

Ransmayr erzählt in „Der Fallmeister“ von einer inzestuösen Liebessehnsucht, die der Schwester gilt. Der Ich-Erzähler ist davon überzeugt, dass sein Vater ein Mörder ist und möchte ihn für seine Schuld bestrafen, dabei wird er jedoch selbst zum Mörder und tötet ausgerechnet den Menschen, den er am meisten liebt.

Der Titel des Romans „Der Fallmeister“ lässt einen zwar an das Fallbeil eines Henkers denken, aber „Fallmeister“ war ein Ehrentitel vor Jahrhunderten für die Schleusenmeister am Großen Fall des Weißen Flusses. Der Ich-Erzähler wirft seinem Vater vor, dort den Tod des Schleusenmeisters mit fünf weiteren Menschen absichtlich herbeigeführt zu haben.

„Es ist ein großes Buch der Trauer über den Zustand der Welt.“

Insa Wilke in der Sendung "lesenswert" Quartett

Christoph Ransmayr erzählt in seiner Dystopie von einer Welt, in der Wasserkriege toben. Europa ist in Kleinststaaten, Zwergrepubliken zerfallen, Grenzen werden gegenseitig abgeschottet. Auch der Ich-Erzähler und seine Schwester wachsen isoliert von anderen Kindern auf: sie erhalten Digitalunterricht. Ein großes Thema ist das Wasser, um das gekämpft wird. Eine Anspielung auf die Resourcenausbeutung westlicher Industrienationen, die an ihr Ende gekommen ist?

Der Autor:

Christoph Ransmayr wurde 1954 in Oberösterreich geboren und lebt nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder in Wien. Sein Debütroman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ schrieb er 1984. Es folgten, zum Teil in großen Abständen, die Romane „Die letzte Welt“, „Morbus Kitahara“, „Der fliegende Berg“, „Atlas eines ängstlichen Mannes“ und zuletzt 2016 „Cox oder Der Lauf der Zeit“.

Für seine Bücher, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter vielen anderen die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka und Bert Brecht benannten Literaturpreise und den Kleist-Preis.

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