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Erzählungen und Berichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg

Ein Geschichtsbuch von luzider Aktualität. 80 Jahre nach Beginn des spanischen Bürgerkriegs hat der österreichische Schriftsteller Texte deutschsprachiger Autorinnen und Autoren versammelt, die, ohne die politischen und militärischen Aspekte auszublenden, vom Leiden der Zivilbevölkerung und den Kriegsfolgen erzählen. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Bürgerkriege der jüngsten Zeit berühren sie auf besondere Weise.

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Ein Buch gegen das Vergessen

Achtzig Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkrieges am 18. Juli 1936 sind die Zeitzeugen, die ihn aus der Nähe erlebt haben, wohl fast alle verstorben. So droht dieser Krieg, der für Hitler-Deutschland und seine Luftflotte ein Übungs-Schlachtfeld für den Zweiten Weltkrieg war, hierzulande allmählich in Vergessenheit zu geraten. Dabei haben über 20.000 Deutsche daran teilgenommen. Um die Erinnerung an die fast drei Jahre währenden, blutigen Geschehnisse in Spanien wachzuhalten, hat der österreichische Schriftsteller Erich Hackl aus deutschsprachigen Presseartikeln, Memoiren und Romanen einen Band mit 46 Beiträgen von Zeitzeugen zusammengestellt.

Zeitzeugen aus ganz Europa

Neben Deutschen, Österreichern und Schweizern kommen auch Serben, Tschechen sowie Ukrainer zu Wort. Sämtliche Texte wurden auf Deutsch verfasst. Auf Beiträge von deutschsprachigen Spanienkämpfern, die die faschistische Seite unter Franco unterstützt haben, hat Hackl verzichtet. Er begründet dies im Vorwort:

Freiwillige Kämpfer auf republikanischer Seite

Während Hitler Armeeangehörige nach Spanien schickte, waren auf republikanischer Seite lediglich freiwillige Kämpfer anzutreffen. Und während auf Hitlers Kämpfer daheim Vergünstigungen warteten, zahlte, wer für die Republik eintrat, dies in den meisten Ländern mit dem Verlust der Staatsbürgerschaft.

Unter den Autoren finden sich etliche weniger bekannte Namen, aber auch illustre Vertreter der schreibenden Zunft wie der Journalist Egon Erwin Kisch und die Schriftsteller Arthur Koestler, Hermann Kesten, Erika Mann und Anna Seghers. Einen Autor allerdings vermisst zumindest der deutsche Leser – den verstorbenen Bundeskanzler Willy Brandt, der 1937 als Kriegsberichterstatter in Spanien war.

Francos Sieg und die Unfähigkeit der Regierung

Ein wichtiger Grund dafür, dass Franco schließlich den Sieg über die gewählte Links-Regierung der erst 1931 ausgerufenen, zweiten spanischen Republik davontragen konnte, war die Unfähigkeit der Regierung von Premierminister José Giral, die verschiedenen ideologischen Lager seiner Volksfront zusammenzuhalten. Der Schriftsteller und Historiker Ludwig Renn schildert in Hackls Band die Lage nach dem Aufstand der faschistischen Offiziere.

Diese Situation bewog Renn, nach Spanien aufzubrechen und in der sogenannten Thälmann-Kolonne zu kämpfen. Ernst Busch nahm 1937 in Barcelona sechs Kampflieder für die Deutschen in Spanien auf, darunter eines für die Thälmann-Kolonne, in der vorwiegend deutsche Kommunisten kämpften.

Eine Vielfalt an Formen und Stilen

Erich Hackl lässt in seinem Band "So weit uns Spaniens Hoffnung trug" jedoch nicht nur Kommunisten zu Wort kommen, sondern Vertreter verschiedener Strömungen des Regierungslagers, so dass der politische Blickwinkel nicht immer der gleiche ist. Hackl hat die 46 Beiträge chronologisch geordnet, und so kann sich der Leser ein Bild vom Verlauf der Ereignisse während des Bürgerkrieges machen. Die Mehrzahl der Beiträge wurde in der Ich-Form geschrieben, es sind Briefe darunter, ebenso Presseartikel und Auszüge aus Memoiren und Romanen. Die Vielfalt der Formen und Stile macht das Buch über den Inhalt hinaus interessant.

Bericht über gescheiterte Hilfsaktionen

Aufgrund seines Stils besonders lesenswert ist der Text des Schriftstellers und Politikers Ernst Toller aus Posen, den er nach einer Reise durch Spanien geschrieben hat und dem anschließenden, gescheiterten Versuch, in Europa und den USA Hilfsaktionen für die Hungernden auf beiden Seiten anzuschieben. Tollers Reisebericht ist eine Art Spickzettel, der in seiner Kürze besonders nahe geht:

Keine Unterstützung für die Republik aus dem Ausland

Die ablehnende Haltung der demokratischen Staaten USA, Frankreich oder Großbritannien, das republikanische Spanien militärisch zu unterstützen, wird in den Beiträgen ebenso thematisiert wie die massive Hilfe Hitlers und Mussolinis für Franco. Auch die ständigen Streitigkeiten zwischen Anarchisten und linkssozialistischer POUM auf der einen und der stalinistischen PSUC auf der anderen Seite, die vor allem in Barcelona zu einem Krieg im Krieg ausarteten, kommen nicht zu kurz.

Schilderungen der humanitären Katastrophe

Nicht nur die politischen und militärischen Aspekte des Spanischen Bürgerkrieges werden beleuchtet. Breiten Raum nimmt die humanitäre Katastrophe ein. Die deutsche Schauspielerin und Autorin Erika Mann, Tochter des Nobelpreisträgers Thomas Mann, reiste 1938 durch das republikanische Spanien und schrieb Folgendes:

Der in Belgrad geborene Theodor Balk war bis zum Ende des Bürgerkrieges 1939 in Spanien, als Chefarzt einer Internationalen Brigade:

Beginn des Zweiten Weltkriegs

Länder des Friedens sollte es schon sehr bald in Europa nicht mehr geben, denn nur gut drei Monate nach der faschistischen Siegesparade am 20. Mai 1939 in Madrid zettelte Hitler den zweiten Weltkrieg an. Theodor Balk landete, wie rund 440.000 überlebende Kämpfer der republikanischen Seite, zunächst in einem Internierungslager in Frankreich und 1941 im mexikanischen Exil.

Thematische Aktualität

"So weit uns Spaniens Hoffnung trug" ist nicht nur für zeitgeschichtlich Interessierte lesenswert. Angesichts der zahlreichen Bürgerkriege der jüngsten Zeit, sei es in der Ukraine oder in Libyen, im Jemen oder in Syrien, lohnt sich die Lektüre des von Erich Hackl herausgegebenen Sammelbandes ganz besonders, denn die Leiden der Zivilbevölkerung und die Kriegsfolgen haben sich kaum verändert.

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