Literatur

Booker Prize 2021: Damon Galgut gewinnt mit seinem Roman „The Promise“

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Gabi Biesinger

Mit einer Familiengeschichte im Umbruch von der Apartheid zur Demokratie hat der Südafrikaner Damon Galgut den renommierten Booker Prize gewonnen. Die mit umgerechnet 58.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am 4. November in London verliehen.   

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Kein fröhliches Porträt Südafrikas

Jubel im Broadcasting Theatre der BBC als die Jury-Vorsitzende Maya Jasanoff den Booker-Prize-Träger 2021 verkündete und ein sichtlich geschockter Damon Galgut auf die Bühne kam: „Meine Nerven sind ganz betäubt, ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, hier zu stehen“ sagt der Gewinner.

Doch dann fand Galgut, der bereits zwei Mal auf der Booker-Shortlist gestanden und den Siegermoment verpasst hatte, seine Sprache wieder und widmete die Auszeichnung ganz bescheiden allen afrikanischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern.

Es sei kein fröhliches Porträt, das er von seinem Land gezeichnet habe, sagt Galgut in seiner Dankesrede. Er habe nicht geplant, es so darzustellen, aber die Dinge stünden derzeit nicht gut, um sein Land.

Ein „unglaublich gut geschriebenes Gesamtpaket“

Das Buch verbinde eine außergewöhnliche Erzählung, vielschichtige Themen und die Geschichte der vergangenen 40 Jahre Südafrikas in einem unglaublich gut geschriebenen Gesamtpaket, begründete Jury-Chefin Jasanoff die Entscheidung.

Ein Buch in einer ganz besonderen und neuartigen literarischen Form geschrieben, die Sprache sehr originell und flüssig und mit einer dichten historischen und metaphorischen Bedeutung.

Der Roman wird anhand von vier Beerdigungen in vier Jahrzehnten erzählt

„The Promise“ schildert einen Generationenkonflikt in einer weißen Farmerfamilie aus der Nähe von Pretoria und wird erzählt anhand von vier Beerdigungen in vier Jahrzehnten. Bei dem Versprechen, geht es um die Zusage an die schwarze Haushälterin Salomé, die ihr Leben lang für die Familie geschuftet hat, dass sie das bescheidene Haus, in dem sie lebt, irgendwann erben wird.

Doch das passiert nie. Die Eltern und zwei Kinder sterben – am Ende bleibt eine in sich gekehrte Tochter übrig. Seinen Roman anhand der Beisetzungen zu erzählen, diese Idee sei ihm an einem bierselingen Nachmittag gekommen, schilderte Galgut im Vorfeld der Preisverleihung bei einem Buchclub-Gespräch.

Viele Perspektivwechsel, die sich zu einem Mosaik zusammensetzen

Die Sprache in Galguts Roman ist zum Teil sehr hart und düster, es ist kein optimistisches Buch. Und doch gibt es diesen düsteren Humor, zum Beispiel, dass die weiße Familie ausgerechnet „Swart“ heisst – Afrikans für schwarz.

Die Erzählung ist von häufigen Perspektivwechseln geprägt, die manchmal mitten im Satz eintreten. Es wirkt, als ob der Erzähler quasi im Überflug mit einer Dronen-Kamera die Gedanken seiner Charaktere aufschnappt und so ein Mosaik der Perspektiven aller herstellt, die an einer bestimmten Szene beteiligt sind.

Powers, Lockwood, Shipstead, Arudpragasam und Mohamed gehen leer aus

Ebenfalls gute Chancen auf den Booker Prize waren dem US-Amerikaner Richard Powers mit seinem Roman „Bewilderment“ eingeräumt worden. In dem Buch geht es um die Beziehung zwischen einem Wissenschaftler und seinem kleinen Sohn in einer nahen Zukunft, die von Umweltzerstörung geprägt ist.

Ebenfalls nominiert waren die US-Amerikanerinnen Patricia Lockwood mit „No One Is Talking About This“ und Maggie Shipstead mit ihrem Roman „Great Circle“, sowie Anuk Arudpragasam aus Sri Lanka mit „A Passage North“ und die Britin mit somalischen Wurzeln Nadifa Mohamed mit „The Fortune Men“.

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