Gespräch

Bleiben, wenn es schwierig wird – Buch über Mut und Unmut im Osten Deutschlands

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AUTOR/IN
Martin Gramlich

„Ich will, dass wir diese Geschichten mindestens genau so beleuchten, wie die Unmuts-Geschichten“, sagt Ethnologin Juliane Stückrad in SWR2 über Menschen in Ostdeutschland, die sich für eine funktionierende Zivilgesellschaft engagieren und gegen eine politische Vereinnahmung zur Wehr setzen. Nun ist ihr Buch „Die Unmutigen, die Mutigen“ erschienen.

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Unsicherheit führt zu Unmut

In Ostdeutschland gebe es aber auch das verbreitete Gefühl, dass „die da oben“ relativ wenig interessiere, was „wir hier unten“ tun, sagt Stückrad. Der Unmut sei ein Ausdrucksmittel, die eigene, oft über Generationen tradierte Unsicherheitserfahrung zu transportieren.

Als Ostdeutsche sei es für sie teilweise ein Kulturschock gewesen, in Brandenburg unterwegs zu sein, sagt Stückrad. Diese Verwirrung habe sie gereizt, sich mit dem Unmut, der dort herrsche, auseinanderzusetzen und diesen zu untersuchen. Davon erzählt auch ihr Buch „Die Unmutigen, die Mutigen“, das die Ergebnisse einer Feldforschung in Ostdeutschland zum Inhalt hat.

Buch beleuchtet beide Seiten

Sie habe aber auch viele Mutige getroffen, die in den sogenannten „abgehängten“ Regionen geblieben seien, obwohl man ihnen davon abgeraten hatte. Viele hätten Vereine gegründet, hätten etwas aufgebaut, teilweise mit einem enormen Arbeitsaufwand und Engagement. Über die Mutigen in Ostdeutschland würde zu wenig berichtet, meint Juliane Stückrad. Deshalb wolle ihr Buch „Die Unmutigen, die Mutigen“ auch diese beiden Seiten zeigen.

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Martin Gramlich