Neue Dauerausstellung Wie die Zuckmayers in Nackenheim lebten

Neue Dauerausstellung Wie die Zuckmayers in Nackenheim lebten

Wohnzimmer (Foto: SWR, SWR - Foto: Sabine Mahr)
Eine kerzenförmige Lampe wirft heimeliges Licht auf alte Familienfotos an der Wand, auf das Ölbild eines Weinbergs und auf einen samtenen Lehnsessel, der in Reichweite eines Bücherschranks platziert ist. Dazu ertönt Klaviermusik von Bach. Bildungsbürgerlich und zugleich gediegen: So oder so ähnlich hat das Wohnzimmer der Familie Zuckmayer um die Jahrhundertwende wohl ausgesehen. SWR - Foto: Sabine Mahr
Beim Rundgang durch die neue Dauerausstellung berichten die beiden Kuratoren, Peter Klein und Thomas Flügen, über das Leben der Familie Zuckmayer in Nackenheim, mit den Söhnen Carl und Eduard. Der eine wird später Schriftsteller, der andere Komponist. Beide werden von den Eltern, Besitzer einer Fabrik mit rund 300 Mitarbeitern, früh gefördert. Ohne Kapselfabrik hätten die Eltern ihren Söhnen Gymnasium und später Studium nicht finanzieren können. SWR - Foto: Sabine Mahr
Ein besonderes Exponat, das einen Blick auf die wirtschaftliche Existenz der Zuckmayers erlaubt: Ein Musterkoffer der Kapselfabrik, der Besuchern zeigen sollte, welche Kapseln für Weinflaschen die Firma herstellen konnte, lauter farbige, mit verschiedenen Firmennamen aufgedruckte Staniolkapseln. Ein anderer Blick auf die Zuckmayers. SWR - Foto: Sabine Mahr
Auch sonst haben die beiden Kuratoren die Exponate der alten Schau erheblich erweitert. Der Bücherschrank der Zuckmayers etwa, dessen Bestand aus Carls Memoiren bekannt ist, ist mit alten Ausgaben gefüllt. Die Besucher dürfen alle Titel durchblättern: von Rainer Maria Rilke etwa, Stefan Zweig oder Thomas Mann. In jedem steckt eine Infokarte mit kuriosen Details zur Beziehung der Autoren.Auf dem Bild: Alle Werke Carl Zuckmayers in Erstausgaben auf einen Blick. SWR - Foto: Sabine Mahr
In Nackenheim hat sich Carl Zuckmayer mit seinem „Fröhlichen Weinberg“ keine Freunde gemacht, ähnlich wie es Thomas Mann mit den „Buddenbrocks“ in Lübeck ergangen war. Thomas Mann habe deshalb irgendwann beruhigend zu Zuckmayer gesagt: „Erst werfen sie dich raus, und später machen sie dich zum Ehrenbürger“. So verfolgt die Schau im alten Haus in Nackenheim die Lebensgeschichten der jüdischen Familie, von den Fronterlebnissen der Söhne im ersten Weltkrieg bis zur Flucht in die USA, die Schweiz bzw. die Türkei. Auf dem Bild: Museum in Nackenheim mit der neuen Dauerausstellung über die Familie Zuckmayer. SWR - Foto: Sabine Mahr
Neben Plakaten von Zuckmayer-Verfilmungen zeigt das Museum auch besondere Objekte wie Eduards Notenbuch, Carls Totenmaske oder ein Modell seiner Schreibmaschine. Auf dieser „Adler 2“, so Kurator Thomas Flügen, habe Carl Zuckmayer alle seine Werke geschrieben, bis auf den „Fröhlichen Weinberg“ und die Stücke vor 1925, die er handschriftlich verfasst habe. Um Korrespondenz mit Prominenten der Zeit erfahrbar zu machen, hat das Kuratorenteam rund 50 Briefe in adressierte Umschläge gesteckt. Auf dem Bild: Nachbildung von Carl Zuckmayers Adler-Schreibmaschine. SWR - Foto: Sabine Mahr
Auch die Preisträger der Zuckmayer-Medaille finden in der Ausstellung ihren Platz. Leider stand dem kleinen Nackenheimer Museum kein Etat für die teuren Film- oder Musikrechte zur Verfügung. Wem die mediale Inszenierung fehlt, darf sich aber selbst behelfen: Vor einer nachgebauten Kulisse der legendären Theatertruppe der Zuckmayer-Gesellschaft können Besucher ein Selfie schießen.Auf dem Bild: Werke der bisher mit der Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnete Autorinnen und Autoren. SWR - Foto: Sabine Mahr
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