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Platz 8 (31 Punkte) Abbas Khider: Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch

Noch einmal der Heimatdiskurs, in Sprache gefasst: Abbas Khider floh vor dem Regime Saddam Husseins aus dem Irak, fand im Jahr 2000 in München Asyl und ist seit 2007 deutscher Staatsbürger. Als er in der Bundesrepublik ankam, war er 27 Jahre alt und kannte nach eigenem Bekunden genau drei deutsche Wörter: Hitler, Scheiße und Lufthansa. Damit lässt es sich zur Not zwar schon ziemlich weit kommen, doch für Khider war das nicht genug. Mittlerweile sammelt er Wörter mit mehr als 30 Buchstaben. „Nahrungsmittelunverträglichkeit“ wäre eines davon. „Deutsch für alle“ ist ein möglicherweise nur halbironisches Buch. Die deutsche Grammatik hat Khider nach seiner Ankunft so sehr hassen gelernt wie die deutschen Paragrafen. Deklination, Konjugation, Wortstellung. Der muttersprachliche Leser könne sich das Unheil nicht vorstellen, schreibt Khider, das die deutsche Grammatik im Kopf eines Menschen anrichte. Sprache aber ist Teilhabe, ist Integration, ist im Wortsinn Mitspracherecht. Und Sprache ist ein permanenter Prozess. Khider entwirft also in seinem neuen Buch ein Neudeutsch, das die Hürden, die er selbst genau kennt, aus der Welt schafft, und zwar systematisch und nachvollziehbar. Das generiert gleichzeitig Komik und Erkenntnis. Nur ein Beispiel: Aus „Das Buch des Mannes“ wird „De Buch von de Mann“. Ganz zum Schluss (das ß entfällt übrigens auch komplett) erfüllt Khider sich noch einen alten Traum: Umlaute verprügeln.

Abbas Khider: Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch

Abbas Khider

Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch

Verlag:
Hanser
Länge:
128 Seiten
Preis:
€ 14
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-446-26170-9

Zum Autor:

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als »illegaler« Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. 2008 erschien sein Debütroman Der falsche Inder, es folgten die Romane Die Orangen des Präsidenten (2011) und Brief in die Auberginenrepublik (2013). Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, zuletzt wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis, dem Hilde-Domin-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis geehrt. Außerdem war er im Jahre 2017 Mainzer Stadtschreiber. Abbas Khider lebt zurzeit in Berlin. Im Hanser Verlag erschienen von ihm  Ohrfeige (Roman, 2016) und Deutsch für alle (Das endgültige Lehrbuch, 2019).

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