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Platz 5 (39 Punkte) Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen

Vorbei sind die Zeiten in Berlin, als günstiger Wohnraum kein Luxus, sondern Selbstverständlichkeit war. In ihrem Roman „Bodentiefe Fenster“ hat Anke Stelling, geboren, im schwäbischen Ulm, jetzt aber, wie es sich gehört, in Prenzlauer Berg lebend, sich in das Innenleben eines Wohnprojekts eben dort hineinversetzt – mit allen Konsequenzen, die aus der Erkenntnis, dass das Erbe eines liberalen 68er-Denkens nicht zwangsläufig in eine entspannte Freiheit, sondern genauso gut in die Depression hineinführen kann.

Jetzt der Nachfolgeroman, der eine Spur wütender, empörter und verzweifelter ist: Die Schriftstellerin Resi sucht mit Mann und vier Kindern eine Wohnung in Berlin. Für ihre Altbauwohnung hat sie die Kündigung erhalten. Für die Baugruppe, an der die Freunde sich beteiligen, ist kein Geld da. Das großzügige Angebot eines Freundes, ihr das Geld zu leihen, hat Resi ausgeschlagen. Was also nun?

Ein Roman aus der neuen Klassengesellschaft, in der die Frage nach dem Stand nur verschämt gestellt werden darf. Die Abhängigkeit von innerer Verfasstheit und äußeren Lebensumständen ist mit den Händen zu greifen, ist aber erzählerisch aufgelöst. In dem Umstand, dass nicht alle die gleichen Ausgangschancen haben, enthüllt sich die Ungleichheit der Verhältnisse. Wer wenig hat, bekommt auch nichts dazu. Ob Anke Stelling sich eine gelbe Weste anziehen würde? Eher nicht, dafür ist sie zu subtil, zu scharfsinnig. Aber Wut spricht dennoch aus diesem Buch. Es ist die Wut über diejenigen, die denen da unten zurufen, dass doch jeder seines Glückes Schmied sei.

Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen

Anke Stelling

Schäfchen im Trockenen. Roman

Verlag:
Verbrecher
Länge:
272 Seiten
Preis:
€ 22
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-9573233-8-5

Zur Autorin:

Anke Stelling, 1971 in Ulm geboren, absolvierte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman „Gisela“ verfilmt, 2010 die Erzählung „Glückliche Fügung“. Weitere Veröffentlichungen: „Nimm mich mit“ (2002, gemeinsam mit Robby Dannenberg), „Glückliche Fügung“ (2004) und „Horchen“ (2010).

Anke Stelling stand mit ihrem im Verbrecher Verlag erschienenen Roman „Bodentiefe Fenster“ (2015) auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Zudem stand der Roman auf der Hotlist 2015 der unabhängigen Verlage und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis 2015 ausgezeichnet. 2017 erschien ihr Roman „Fürsorge“ im Verbrecher Verlag. Ihr neuster Roman "Schäfchen im Trockenen" (2018) wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet.

 

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