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Platz 10 (30 Punkte) Volker Braun: Handstreiche

Am 7. Mai feiert Volker Braun seinen 80. Geburtstag. Seinen Lesern macht er ein Geschenk in Form einer schmalen, aber konzentrierten Sammlung von Notizen, Beobachtungen und Reflexionen, in denen Braun Zugriff nimmt auf die Welt. Es sind Philosopheme, die das dichterische Ich in Beziehung zu ihrem Umfeld setzen, gleichzeitig aber auch die Frage stellen, inwieweit Literatur Einfluss nehmen kann auf den Lauf der Dinge.

„Aus der Werkzeugtasche“, so ist das erste Kapitel überschrieben. Und tatsächlich geht es ganz konkret um das Handwerkszeug des Schriftstellers: „Ein Werkzeug, das zur Hand ist: begreifen.“ Wer Eindeutigkeit von Braun verlangt, wer Kritisches fordert, wird in aller Zweideutigkeit in Kurzform in die Schranken gewiesen: „Was erwartet ihr von mir? Widerspruch. Widersprüchliches werdet ihr hören.“ Meister Flick aus „Machwerk Oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“ (2009) ist auch zurück. Der einstige DDR-Bergmann, der im Alter von 60 Jahren aufs Amt musste, weil ihm das neue, wiedervereinigte Deutschland nicht mehr sein Recht auf Arbeit garantieren will, geistert als Zitatgeber und Kapitalismuskritiker durch das Buch.

Die politische Wende von 1989 lässt ihm keine Ruhe. Dagegen kalauert er weiter an: „Unsere Erfahrung: Die Verwerfung.“ Noch im Alter gibt Braun den Narren, der über die Vernunft verfügt. Eine Paraderolle.

Volker Braun: Handstreiche

Volker Braun

Handstreiche

Verlag:
Suhrkamp
Länge:
91 Seiten
Preis:
€ 18
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-518-42849-8

Zum Autor:

Volker Braun, 1939 in Dresden geboren, arbeitete in einer Druckerei in Dresden, als Tiefbauarbeiter im Kombinat Schwarze Pumpe und absolvierte einen Facharbeiterlehrgang im Tagebau Burghammer. Nach seinem anschließenden Philosophiestudium in Leipzig wurde er Dramaturg am Berliner Ensemble. 1983 wurde Volker Braun Mitglied der Akademie der Künste der DDR, 1993 der (gesamtdeutschen) Akademie der Künste in Berlin. 1996 erfolgte die Aufnahme in die Sächsische Akademie der Künste und in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Im Wintersemester 1999/2000 erhielt er die Brüder-Grimm-Professur an der Universität Kassel. Von 2006 bis 2010 war Volker Braun Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste. Er erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Georg-Büchner-Preis im Jahr 2000. Volker Braun lebt heute in Berlin.

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