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Platz 7 (33 Punkte) Juan Pablo Villalobos: Ich hatte einen Traum. Jugendliche Grenzgänger in Amerika

Der Traum, von dem Juan Pablo Villalobos erzählt, ist der, den Donald Trump mit einer Mauer endgültig verbauen will. Villalobos lässt Kinder zu Wort kommen, die eine lange, beschwerliche und gefährliche Reise auf sich genommen haben, um im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten ihr Glück zu finden. Sie sind allein aufgebrochen, aus Guatemala, Honduras oder El Salvador, sie fliehen vor Bandenkriminalität und Perspektivlosigkeit. Ihre Familien werden erpresst oder ermordet.

Der Journalist Alberto Acre beleuchtet in seinem Nachwort die gesellschaftlichen Hintergründe der Flüchtenden, die, das ist keine Kleinigkeit, sich von Mittelamerika aus zunächst durch Mexiko schlagen müssen, um überhaupt an die Grenze zu den USA zu gelangen. Dort landen sie im Kühlschrank, so nennen die Migranten die Zelle, in die die Grenzpolizei sie zunächst einmal steckt. Einen Raum ohne Fenster und ohne Zeitgefühl.

Auf noch nicht einmal 100 Seiten hat Villalobos zehn Stimmen minderjähriger Auswanderer im Alter von zehn bis siebzehn Jahren gesammelt und in kurze Erzählungen verwandelt. Trotzdem beharrt der Autor darauf, keinen literarischen Text geschrieben zu haben. Die Berichte der Jugendlichen sind in überraschend kühlem Ton vorgetragene Zeugnisse von Hoffnungslosigkeit. – In Honduras etwa ist die Mordrate ca. 200 mal so hoch wie in einem durchschnittlichen europäischen Land. – Das Wort „Flüchtlingsproblem“ erhält in Villalobos' Plädoyer für Menschlichkeit eine neue Bedeutung.

Buchcover: Juan Pablo Villalobos: Ich hatte einen Traum

Juan Pablo Villalobos

Ich hatte einen Traum. Jugendliche Grenzgänger in Amerika. Aus dem Spanischen von Carsten Regling

Verlag:
Berenberg
Länge:
96 Seiten
Preis:
€ 22
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-946334-40-8

Zum Autor:

Juan Pablo Villalobos, geboren 1973 in Guadalajara, Mexiko, studierte Marktforschung und spanische Literatur. Er hat zahlreiche literarische Reiseberichte, Literaturkritiken und Filmkritiken verfasst. In Deutschland wird Villalobos zunehmend als wichtiger Vertreter der sogenannten. Narco-Literatur (Literatur zum Drogenkrieg in Mexiko) rezipiert. „Ich hatte einen Traum“ ist bereits das fünfte Buch, das im Berenberg Verlag erschienen ist. Villalobos lebt in Barcelona.

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