Platz 2 (67 Punkte) Roman

Wer erfindet wen? Diese Überlegung wird hier zum schwindelerregenden Vexierspiel. Denn geschrieben hat diesen Roman, so will es die Fabel, ein sowjetischer Literaturcomputer kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Damit geht es mitten hinein in die Zukunftswelt von vorgestern, als das digitale Zeitalter gerade erst im Entstehen war, wo Spartakiaden junger Programmierer veranstaltet werden und die Grenzen zwischen KGB-Intrigen, Parteiprogrammen und Computerspielen verwischen.

Dass in das Schreibprogramm auch viele Verweise auf die russische Avantgarde und frühere Epochen der Literaturgeschichte eingegangen sind, beweist die Raffinesse und den überschäumenden Erfindungsgeist von Matthias Senkel, der mit seiner künstlerischen Intelligenz der Literaturmaschine, die seinen Roman geschrieben hat, dann doch überlegen ist. Denn er hat das Ganze schließlich erfunden und damit nebenbei noch eine andere Kulturgeschichte der Sowjetunion vorgelegt. 

Zum Autor:

Matthias Senkel, 1977 in Greiz geboren, lebt mittlerweile in Leipzig. 2012 erschien sein Debütroman Frühe Vögel (Aufbau Verlag), der mit dem Uwe‑Johnson‑Förderpreis und dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Mit Dunkle Zahlen ist er nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018.

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