Platz 1 (96 Punkte) Esther Kinsky: Hain

„Hain“ wurde am 15. März 2018 auch mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet.

„Geländeroman“ heißt der Untertitel des Buches von Esther Kinsky, in dem sie die Beschreibung vom Aufenthalt in drei Regionen Italiens zusammenfasst. Naturbeschreibungen und Reiseimpressionen gehören zum zentralen erzählerischen Weltzugang im Schreiben der 1956 im Bergischen Land geborenen Autorin.

In „Hain“ begibt sich die Erzählerin auf die Suche nach einer neuen Balance, denn sie hat gerade ihren Lebensgefährten verloren. Sie findet ein empfindliches Gleichgewicht beim Betrachten von Landschaften, Orten und den Gegenständen der Natur. Und zugleich weitet sich ihr Blick in die Vergangenheit von Geschichte und Kultur ebenso wie in die Erinnerungen an die eigene  Kindheit und die Italienreisen mit dem Vater, der die Farbe Blau liebte. Dabei hat die studierte Slawistin, die auch als Übersetzerin tätig ist, ein scharfes Auge für die Übergänge zwischen Fremdem und Vertrautem, zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Diesseits und Jenseits.

Im „Hain“ des Titels treffen die verschiedenen Sphären ebenso zusammen wie im Schwemmland des Flusses Po, einer Gegend, wo die Grenzen zwischen Erde, Wasser und Himmel verschwimmen. 

Zur Autorin:

Esther Kinsky wurde 1956 in Engelskirchen im Bergischen Land geboren. In der Nähe von Bonn aufgewachsen, studierte sie Anglistik und Slawistik in Bonn und Toronto. Seit 1986 ist sie als Übersetzerin aus dem Polnischen, Russischem und Englischem tätig (u.a. die Romane und Erzählungen Olga Tokarczuks und Henry David Thoreaus „Lob der Wildnis“). 2009 wurde sie für ihre Übersetzerleistung mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet.

Auf dem deutschen Buchmarkt debütierte Esther Kinsky 2009 mit dem Roman „Sommerfrische“. Mit ihrem „Prosapoem“ (NZZ) über eine ungarische Feriensiedlung als Sehnsuchtsort begeisterte sie die Kritik. Auch ihr Roman „Banatsko“ (2011) spielt in der ungarischen Grenzregion, die „[…] als Weltzentrale einer alles durchdringenden, absolut humorlosen Melancholie“ (Deutschlandradio) beschrieben wird. 2014 veröffentlichte sie ihren jüngsten Roman „Am Fluß“. Dieser erhielt eine große Resonanz in den Feuilletons, wo er unter anderem als „Sprachereignis“ (Die Zeit) gefeiert wurde.

Zum Sommersemester 2016 übernimmt Esther Kinsky die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Universität Bonn.

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