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Platz 5 (33 Punkte) Éric Vuillard: Die Tagesordnung

Die Eroberung des Inkareiches durch die Konquistadoren, die Verteilung von Kolonialgebieten auf der Berliner Kongokonferenz von 1884, Buffalo Bill und die Verwandlung des Wilden Westens in eine Zirkusattraktion, die Französische Revolution und der Erste Weltkrieg – über all das hat Éric Vuillard schon Romane von verblüffender Knappheit geschrieben.

In seinem neuesten Roman hat er sich zwei Ereignisse aus Hitler-Deutschland vorgenommen: Ein Treffen deutscher Großindustrieller im Jahr 1933, bei dem Hermann Göring um Geldspenden für die NSDAP warb, und die Einverleibung Österreichs als Ostmark ins Deutsche Reich 1938.

Die erste Episode handelt er auf wenigen Seiten ab. Wobei ein Unterton nicht ganz zu überhören ist. Wird doch die wirtschaftliche Stärke Deutschlands in der EU-Gegenwart mit ihren Ahnherren aus einer bösen Vergangenheit konfrontiert.

Der Hauptteil des Romans dagegen behandelt den Anschluss Österreichs. Dabei bietet Vuillard einer Leserschaft, die nicht über historische Fachkenntnisse verfügt, eine detaillierte Darstellung. So wird etwa die Demütigung des österreichischen Bundeskanzlers Schuschnigg durch Hitler eindringlich geschildert. Und die Posse, mit der der damalige Botschafter Ribbentrop in London bei einem Abschieds-Lunch die Engländer in den entscheidenden Stunden von der deutschen Okkupation Österreichs ablenkte, ist für den historischen Romancier ein gefundenes Fressen.

0:46 min

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SWR Bestenliste Mai

Éric Vuillard: Die Tagesordnung

Kirsten Voigt

Auf Platz 5 der Bestenliste.<br />Historische Schlüsselszenen aus dem Dritten Reich in komprimierter Form: ein von Göring einberufenes Treffen deutscher Großindustrieller und der Anschluss Österreichs.

Buchcover: Éric Vuillard: Die Tagesordnung

Éric Vuillard

Die Tagesordnung . Roman. Aus dem Französischen von Nicola Denis

Verlag:
Matthes & Seitz Berlin
Länge:
128 Seiten
Preis:
€ 18
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-95757-576-0

Zum Autor:

Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, ist Schriftsteller und Regisseur. Für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründet, wurde er u. a. mit dem Prix de l’Inaperçu und dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2017 bekam er für Die Tagesordnung den renommierten Prix Goncourt. Bei Matthes & Seitz Berlin erschienen bisher Ballade vom Abendland (2014), Kongo (2015) und Traurigkeit der Erde (2017) in der Übersetzung von Nicola Denis.

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