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Emilio Lussu: Marsch auf Rom und Umgebung

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Im Oktober 2022 jährte sich der Marsch von Benito Mussolinis faschistischer Bewegung auf die italienische Hauptstadt zum 100. Mal. Emilio Lussu wurde 1890 auf Sardinien geboren und gehörte als sozialistischer Politiker von 1921 bis 1926 dem italienischen Abgeordnetenhaus an. Sein Buch „Marsch auf Rom und Umgebung“ erschien bereits im Jahr 1932. Es ist ein präziser Zeit- und Augenzeugenbericht, der die Ereignisse im Oktober 1922 in einen größeren gesellschaftlichen und historischen Kontext einordnet.

„Das Buch“, so schreibt Lussu im Vorwort zur ersten Ausgabe, „ist keine Geschichte des Faschismus: Ich erzähle nur einige Episoden, die mein Leben betreffen.“ Und er fügt an: „Ich gehöre derselben Generation an wie die Faschisten der ersten Stunde: Viele ihrer Anführer waren in der Kindheit, in der Schulzeit oder im Krieg meine Freunde.“ Aus dieser Nähe erwächst eine intime Kenntnis der Verhältnisse. Lussu schaut dem Faschismus in dessen Entwicklung vom Ende des Ersten Weltkriegs an zu. Lussu beschreibt das Versagen der Institutionen, analysiert Mussolinis Strategien zur Aushöhlung der Demokratie und zur Errichtung eines Personenkults. Lussu schreibt darüber in einer Mischung aus dokumentarischer Verpflichtung, Abscheu und Spott.

Wohlfeil, aber dennoch angebracht ist der Hinweis, dass dieses Buch gerade jetzt angesichts der aktuellen politischen Verschiebungen in Italien wieder an Aktualität gewinnt. Lussu selbst wurde 1927 zu einer fünfjährigen Verbannung auf der Insel Lipari verurteilt, konnte 1929 von dort fliehen und ging nach Paris ins Exil. Nach Mussolinis Sturz kehrte er nach Italien zurück und engagierte sich für den Wiederaufbau demokratischer Strukturen. Er starb 1975 in Rom.

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