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Mohamed Mbougar Sarr: Die geheimste Erinnerung der Menschen

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Es ist kein Zufall, dass Mohamed Mbougar Sarr seinem neuen und vierten Roman ein Zitat aus Roberto Bolanos „Die wilden Detektive“ vorangestellt hat, gilt doch Bolano als ein ebenso raffinierter Spieler mit dem Unheimlichen und mit Realitätsebenen wie auch der 1990 in Dakar geborene Mohamed Mbougar Sarr, der der derzeit gefeierte Jungstar der französischen Literaturwelt ist. „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ erhielt in Frankreich im vergangenen Jahr den Ritterschlag und wurde mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Mohamed Mbougar Sarr wuchs im Senegal auf, studierte in Frankreich Literatur und Philosophie und wurde bereits für seine vorangegangenen Romane von der Kritik gefeiert. In „Die geheimste Erinnerung des Menschen“ begibt sich der junge Senegalese Diégane auf die Spuren eines geheimnisumwitterten Schriftstellers:

„T.C.Elimane“, so heißt es im Buch, „ermöglichte es den afrikanischen Autoren meiner Generation, die man bald wohl nicht mehr als jung bezeichnen kann, sich in feierlichen und blutigen literarischen Wettkämpfen gegenseitig zu massakrieren. Sein Buch hatte etwas von einer Kathedrale und einer Arena; wir traten ein wie in das Grabmal eines Gottes, und am Ende knieten wir in unserem Blut, das als Trankopfer für das Meisterwerk vergossen wurde.“

Jener Elimane wurde in den 1930er-Jahren als „schwarzer Rimbaud“ gefeiert und tauchte nach einem Skandal unter.

Durch einen Zufall fällt Diégane ein verschollen geglaubtes Kultbuch in die Hände, und er macht sich auf, das Rätsel seines Verfassers zu erkunden. Ein spannender Roman, der unterschiedliche literarische Genres geschickt miteinander verwebt und sich auf elegante Weise des komplexen kolonialen Erbes annimmt.

Literatur SWR Bestenliste Januar

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