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Christoph Peters: Der Sandkasten

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„Der Sandkasten“ ist Christoph Peters zehnter Roman. Es hat dem am Niederrhein geborenen und in Berlin lebenden Schriftsteller schon immer sichtliche Freude bereitet, die Genres aufzubrechen. Sein Repertoire reicht von Adoleszenromanen bis hin zu comichaft aufgeladenen Genregeschichten mit der Rasanz japanischer Actionfilme. Jetzt hat Peters sich an die Gegenwart und ihre politischen Implikationen herangeschrieben. „Der Sandkasten“ spielt an zwei Tagen in Berlin, dem 9. und 10. November 2020. Lockdown-Zeit.

Kurt Siebenstädter sitzt nicht im, aber doch sehr nahe am Zentrum der Macht. Seine Frühsendung in Deutschlands einflussreichstem Radiosender hat ihm den Ruf eines gnadenlosen Gesprächspartners eingebracht; den eines Mannes, der keine Schonung kennt, keine Unterschiede macht und an nichts glaubt außer daran, dass die Medien nicht Haltung zu zeigen, sondern unangenehm zu sein hätten.

Die Luft für ihn wird langsam eng: Der Chef gibt ihm zu verstehen, dass er zu oft die falschen Leute zu Wort kommen lässt, obwohl er auch die in die Zange nimmt. Siebenstädter spürt, dass er zum Auslaufmodell wird und sieht fassungslos dabei zu, wie Begriffe umgedeutet werden, wie ein Skeptiker plötzlich zum verdächtigen Objekt wird, und wie eine ironisch-distanzierte Haltung zu den Dingen plötzlich als ausgelaugte Pose eines privilegierten, haltungslosen Reaktionärs gedeutet wird. Da bekommt er eines Tages ein Angebot aus der Politik.

Christoph Peters hat sich ausdrücklich Wolfgang Koeppens 1953 erschienenen Roman „Das Treibhaus“ als Folie vorgenommen und zeigt einen leerdrehenden Machtbetrieb und ausgelaugte Funktionseliten.

Literatur SWR Bestenliste Dezember

Die SWR Bestenliste empfiehlt seit über 40 Jahren verlässlich monatlich zehn lesenswerte Bücher, unabhängig von Bestsellerlisten. Nicht die Bücher, die am häufigsten verkauft werden, bestimmen die Liste, sondern eine Jury, bestehend aus 30 namhaften LiteraturkritikerInnen, wählt die Bücher aus, denen sie möglichst viele LeserInnen wünscht.  mehr...

SWR2 Vor Ort | lesenswert Gespräch Christoph Peters über sein Tagebuch einer Japanreise: „Tage in Tokio“

Stille und Freundlichkeit waren die ersten Eindrücke von Christoph Peters, als er 2019 in Tokio ankam. Jahrzehntelang hatte er sich mit der japanischen Kultur beschäftigt, Romane geschrieben und unzählige Gespräche geführt. Aber hinzukommen war noch einmal etwas anderes.  mehr...

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Buch der Woche Christoph Peters - Dorfroman

Ein Dorf am Niederrhein, in dem der geplante Bau eines Atomkraftwerks alles auf den Kopf stellt. Auch die Gefühle des jungen Ich-Erzählers. Christoph Peters‘ Dorfroman ist das Panorama einer Epoche.

Luchterhand Verlag
ISBN: 978-3-630-87596-5
416 Seiten
22 Euro  mehr...

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