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Jan Faktor: Trottel

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Jan Faktor hat auf den beiden letzten Seiten seines neuen Romans einen Service platziert, den sich im Grunde alle Rezensenten wünschen: „Anregungen und Vorschläge für Rezensenten, nützliche Bonmots für Streitgespräche oder zukünftige Nackenschläge.“

Da bedienen wir uns sehr gerne. Also: „Eines der streckenweise intelligentesten Bücher, das der Rezensent je gelesen hat. Leider zerstört sich der Text nach und nach selbst, weil seine innere Wucht einerseits vertikal verpufft, andererseits seitlich auseinanderfließt.“

Oder so: „Der herablassende Ton dieses Romans ist mehr als bedauerlich. Wie viele wunderbare Menschen sind für die Sache der humanen Weiterentwicklung der modernen Gesellschaften bislang mit Erfolg gestorben! Das Schreddern von Menschen für das Wohl des Menschen darf doch nicht als etwas Obsoletes abgetan und im Blutmeer entsorgt werden!“

Noch mehr? Finden Sie im Buch.

Was Sie in „Trottel“ auch finden, ist eine „Trottelfeldforschung“, die der Frage nachgeht, ob auch ein Trottel im Leben glücklich werden kann. So heißt es auf der ersten Seite. Die autobiographisch grundierte Geschichte beginnt im Jahr 1968 mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Prag. Dort wurde der Autor 1951 geboren; er weiß also aus eigener Anschauung, worüber er schreibt.

Später siedelt er nach Ost-Berlin über, gründet eine Familie, ist als Schriftsteller in der Prenzlauer Berg-Szene aktiv und erlebt den Übergang vom sozialistischen Deutschland in die wiedervereinigte Bundesrepublik. Der Schelmenroman erzählt auch großes Unglück, nämlich den Selbstmord des Sohnes.

Faktor über Faktor: „Ein grobschlächtiges Stück Gonzoprosa. Und dieses Ding soll tatsächlich eine versteckte große Fuge enthalten?“ Ja, schon.

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