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Sigrid Nunez: Eine Feder auf dem Atem Gottes

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Sigrid Nunez, 1951 in New York geboren, ist eine renommierte Literaturwissenschaftlerin und hervorragende Schriftstellerin. Bekannt wurde sie aber auch durch ihre Liaison mit David Rief, dem Sohn von Susan Sontag, mit der sie zeitweise in einem Haus lebte.

Davon erzählt sie in dem 2011 erschienenen Memoir „Sempre Susan“. Für ihren Roman „Der Freund“ wurde Nunez 2018 mit dem National Book Award ausgezeichnet. Mit „Eine Feder auf dem Atem Gottes“ ist jetzt auch ihr erster, bereits 1996 publizierter Roman in einer deutschen Neuübersetzung erschienen.

Es ist ein autobiografischer Text, in dem Nunez in erster Linie ihre Eltern porträtiert und ihr eigenes Verhältnis zu ihnen abklopft. Der Roman besteht aus vier langen Kapiteln, von denen zwei bereits zuvor in Zeitschriften veröffentlicht worden waren, was die etwas lose Struktur erklärt. Erstaunlicherweise werden darin (der fedrige Titel stammt aus dem Kontext der Balletterfahrungen der Autorin) Themen des heutigen Identitätsdiskurses verhandelt, die bereits vor 25 Jahren relevant waren.

In erster Linie ist das Buch der Versuch einer mehrfachen Selbsterkundung. Nunez‘ Vater war halb Chinese und halb Latino, arbeitete als Kellner in Brooklyn und sprach Englisch nur dann, wenn er musste. Seine Frau lernte er als amerikanischer Besatzungssoldat in Deutschland kennen. In den USA fühlte sich diese schöne, aber auch prätentiöse Deutsche nie heimisch.

Die demonstrative Verweigerung von Integration und Anpassung, wie die Eltern sie praktizierten, findet ihren Gegenpol in der geradezu manischen Sehnsucht nach Anpassung und Erfolg, von der der erste Liebhaber der Tochter, der russischstämmige Vadim, angetrieben ist. So ist Nunez‘ Debüt auch ein Buch über Wortlosigkeit, die wiederum elegant in Sprache festgehalten ist.

Buchkritik Sigrid Nunez – Eine Feder auf dem Atem Gottes

In ihrem Debüt „Eine Feder auf dem Atem Gottes“, 1995 im Original erschienen, erzählt Nunez von ihren Eltern. Ihr Vater ist ein panamaisch-chinesischen Immigrant, ihre Mutter ist Deutsche. Und sie erzählt, wie sich ihre Liebe zum Ballett in Liebe zum Schreiben verwandelt. Eine amour fou mit einem russischen Immigranten in New York spielt auch eine Rolle.
Rezension von Beate Tröger.
Übersetzung: Anette Grube
Aufbau Verlag, 222 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-351-03876-2  mehr...

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