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Ágnes Nemes Nagy: Mein Hirn: ein See

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Im Januar 2022 wäre die ungarische Dichterin Ágnes Nemes Nagy 100 Jahre alt geworden. Nemes Nagy war nach Ende des Zweiten Weltkriegs Mitbegründerin einer Literaturzeitschrift, bevor sie nach der kommunistischen Machtübernahme im Jahr 1949 Publikationsverbot erhielt. Danach lebte sie zeitweise in Rom und Paris, arbeitete als Übersetzerin, schrieb auch Essays und Gedichte, die ihr bis heute den Ruf sichern, eine der wichtigsten ungarischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts gewesen zu sein.

Nemes Nagy starb 1991 in Budapest. Verleger Urs Engeler hat anlässlich des 100. Geburtstages von Nemes Nagy in seinem „Roughbooks“-Label eine zweisprachige Ausgabe mit einer Auswahl von Gedichten herausgegeben. Christian Filips, selbst Lyriker und Übersetzer der Gedichte, schreibt in seinem Nachwort: „Diese Dichtung besteht darauf, dass eine wirklich materialistische Poetik an den Naturwissenschaften ebenso geschult sein muss wie an einer Phänomenologie des Schauens.“

Nicht weniger als der Versuch, eine poetische Universalsprache zu entwickeln, stecke hinter der Neuausgabe. Anders gesagt: Den Gedanken zuzulassen, sich als Teil eines Organismus zu sehen, in dem das Schauen und das Angeschautwerden gleichberechtigt sind. In dem Gedicht „Fák/Bäume“ heißt es: „Man lerne. Winterbäume. / Raureif, von Wurzel bis Krone. / Vorhänge, unbeweglich.“

Schön und klar und durchscheinend sind diese Gedichte. Im Jahr 2021 wurde ein Asteroid nach Ágnes Nemes Nagy benannt. Ein guter Gedanke.

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