Platz 4 (40 Punkte)

Adania Shibli: Eine Nebensache

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Die 1974 geborene Adania Shibli ist schwer einzuordnen, sowohl geografisch als auch literarisch. Sie wurde in einem Dorf in Obergaliläa geboren, hat in Jerusalem studiert, spricht sechs Sprachen und lebt, wie man nachlesen kann, wechselweise in drei unterschiedlichen Ländern. Mit der Übersetzung dieses Romans ist sie auch hierzulande zu einer Vorzeigefigur einer Bewegung geworden, die im israelisch-palästinensischen Konflikt nach einer Neubewertung der politischen Lage ruft.

„Eine Nebensache“ besteht aus zwei etwa gleich langen Teilen, die zeitlich rund 50 Jahre auseinander liegen: Im August 1949 stößt ein Regiment israelischer Soldaten bei einer Patrouillenfahrt im Negev auf eine Gruppe von Beduinen. Wir sind dicht an der Seite jenes Offiziers, der das Kommando führt; zugleich bleibt die Erzählperspektive aber kühl und ungerührt.

Beeinträchtigt wird seine Wahrnehmung zusehends von einem Biss, der ihm zu schaffen macht und eine schmerzhafte Wunde an seinem Oberschenkel hinterlassen hat. Die Soldaten greifen ein Mädchen auf, nehmen es mit in ihr Lager; es kommt zu mehreren Vergewaltigungen; am Ende wird das Mädchen in die Wüste gebracht und erschossen.

Im Jahr 2003 liest die Erzählerin des zweiten Teils von diesem Ereignis in der Zeitung und beschließt, dem Schicksal des Mädchens noch einmal nachzugehen. Die verwirrenden Grenzziehungen, das Territorium aus Verbotszonen und Grenzübergängen, zwingen sie zum Identitätswechsel. Sie scheitert tödlich.

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