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In diesen Gedichten ist gegenwärtig, dass der Alltag in eine Katastrophe umschlagen kann. Man spürt das Verschwinden gewohnter Lebenszusammenhänge, nüchtern und illusionslos. Dabei entsteht auch so etwas wie Melancholie und Sehnsucht, aber ohne jegliche Sentimentalität oder Nostalgie.

Gedichte von einer atonal vibrierenden sprachlichen Schönheit.„Wie hoch die Wasser steigen“, der 2018 erschienene, erste Roman der 1983 geborenen Schriftstellerin Anja Kampmann, war einer der größten Erfolge in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur der vergangenen Jahre. Das Buch wurde von der Kritik nicht nur allseits hochgelobt, sondern darüber hinaus auch ins Englische übersetzt und in den USA für den National Book Award nominiert. Das ist umso bemerkenswerter, als dass Kampmanns Roman kein süffiges, eingängiges Werk ist, sondern ein sprachlich ambitioniertes und gekonntes Buch, das die Lyrikerin jederzeit durchschimmern lässt.

Vor dem Erscheinen ihres Romans hatte Anja Kampmann interdisziplinär gearbeitet und sowohl die Allianz mit bildenden Künstlern als auch mit Musikern gesucht. Nun gibt es einen neuen Gedichtband, in dem in insgesamt fünf großen Zyklen und „ohne umschweife“, so der Titel eines der Gedichte, menschliche Verfehlungen, Rohheiten und Demütigungen inszeniert werden. Dass all das nicht aus dem Nichts kommt, sondern einen historischen Kontext hat, zeigt sich vor allem im ersten Zyklus „hinter der scheune“, in dem Kampmann die norddeutsche Härte einer Kindheit und Jugend mit der nationalsozialistischen Vergangenheit verknüpft.

Der Blick weitet sich von Seite zu Seite; es geht um Umweltzerstörung und Technisierung, um Genmanipulation oder den Krieg in der Ukraine. Kampmann arbeitet dabei nicht plakativ, sondern mit feinen, eleganten sprachlichen Übergängen, in denen die Ebenen des Sehens und Sprechens ineinander verschmelzen. Politische Lyrik auf der Höhe der Zeit.

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