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Der in Barcelona lebende Franzose Enard erhielt für seinen Roman „Kompass“ sowohl den Prix Goncourt als auch den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Darin literarisierte Enard die These, dass eine Trennung von Orient und Okzident eine künstliche Setzung sei, da beide Kulturen sich seit eh und je gegenseitig inspiriert und beeinflusst hätten.

Auch sein neuer Roman hat auf den ersten Blick einen konventionellen Ansatz, geht aber tatsächlich erneut sehr tief in die Erforschung des menschlichen Zusammenlebens und der daraus resultierenden Unsicherheiten und Konflikte.

„Das Jahresbankett der Totengräber“ ist teilweise in Form eines Tagebuchs verfasst. Geführt wird es von David, einem Pariser Anthropologen, der in ein Dorf im Westen Frankreichs zieht, um dort an seiner Dissertation über das Landleben im 21. Jahrhundert zu arbeiten. Seinen neuen Schreibplatz nennt er, Lévi-Strauss lässt grüßen, „Wildes Denken“. Der Name ist selbstverständlich Programm, denn Enard ist nicht der Autor, der aus dieser Konstellation einen konventionellen Roman bauen würde.

Hochgradig unterhaltsam geht es trotzdem zu, denn wider Willen wird David viel tiefer in die Mikrostrukturen und Beziehungsgeflechte des Dorfs hineingezogen als es seinem wissenschaftlichen Status gut tut. Zumal sich die Menschen in seinem neuen Umfeld als so originelle wie unberechenbare Charaktere entpuppen. Ein rasanter, komödiantischer Roman voller Entdeckungen und Überraschungen.

Literatur SWR Bestenliste Juni

Die SWR Bestenliste empfiehlt seit über 40 Jahren verlässlich monatlich zehn lesenswerte Bücher, unabhängig von Bestsellerlisten. Nicht die Bücher, die am häufigsten verkauft werden, bestimmen die Liste, sondern eine Jury, bestehend aus 30 namhaften LiteraturkritikerInnen, wählt die Bücher aus, denen sie möglichst viele LeserInnen wünscht.  mehr...

Buchkritik Mathias Enard – Das Jahresbankett der Totengräber

Mit dem Blick eines Anthropologen präsentiert Mathias Enard ein faszinierendes Portrait des ländlichen West-Frankreichs im 21. Jahrhundert.
Rezension von Kathrin Hondl.
Aus dem Französischen von Holger Fock, Sabine Müller
Hanser Verlag Berlin, 480 Seiten, 26 Euro
ISBN: 978-3-446-26934-7  mehr...

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